DG 1000 Probeflug-Wochenende

Erst einmal die Vorgeschichte.
Da wir in unserem Verein ein neues Finanzkonzept aufgestellt haben, an dessen Ende der Kauf eines wettbewerbsfähigen Doppelsitzers steht, informierten wir uns bei den beiden Herstellern DG-Flugzeugbau und Schempp-Hirth über die Muster DG 1000 und Duo Discus X mit Bitte um einen Probeflugtermin.
Die Antwort von DG-Flugzeugbau kam schnell und ein Termin wurde gefunden. Als es dann hieß, dass es sogar die „Turbo“-Version ist, waren die Augen groß, aber so richtig konnten wir uns nicht vorstellen, dass so etwas für unseren Verein sinnvoll sein kann. Als der Termin näher rückte, stellte sich die Frage des Transports und so entscheiden wir uns, eine Delegation nach Baden-Württemberg zu schicken, um dort die Kiste durch die Luft zu scheuchen und so mehr Flug- und weniger Fahrzeit zu haben.

Nachdem der erste Termin geplatzt war, da DG in den Prototypen noch ein elektrisches Fahrwerk eingebaut hat, ging es am Donnerstagabend, den 3.7. auf nach Bruchsal, bzw. nach Karlsruhe zu Heike, einem ehemaligen Mitglied aus unserem Aukruger Verein.  Die Fahrt verging wie im Fluge, jeder Gedanke wurde dem bevorstehenden Flugwochenende gewidmet.

Am Freitagmorgen weckte uns eine freundliche Frauenstimme aus dem Handy „Zeit zum Aufstehen es ist 7 Uhr“. Wir waren allerdings längst wach und warteten sehnsüchtig auf die erste Kontaktaufnahme.
Bei DG angekommen ging alles ganz schnell, der Hänger wurde geöffnet und … es war Liebe auf den ersten Blick!!! Gerade einmal 30 Stunden alt und doch schon so groß und beeindruckend.
Das Motorbedienkonzept wurde kurz erklärt und alles was sonst noch zum Flugzeug gehört wie elektrisches Fahrwerk, Bordrechner usw. war schnell besprochen und übergeben.
Alles dauerte keine halbe Stunde, ein sehr ausgereiftes Konzept, das auch für die Vereinstauglichkeit spricht. Was wir hier noch nicht wussten: Ein gewisses „Etwas“ war etwas zu leise, während der Motor mit nur einem Schalter ausgefahren wurde. Dies würde uns später noch einen halben Flugtag kosten.
In unserer vorübergehenden, fliegerischen Heimat für die nächsten 4 Tage -Linkenheim im Rheintal -  angekommen rüsteten wir auf und schoben das Flugzeug aufgeregt und voller Vorfreude an den Start.
Zusammengesteckt war der Vogel übrigens ohne Vorerfahrung und Übung zu viert in einer halben Stunde incl. abkleben und bewundern.
Die F-Schlepp Maschine wurde aufgewärmt (Mikrowelle???) und auch der F-Schlepp Pilot freute sich schon darauf, uns in die Luft zu befördern und im Rückspiegel die nach oben geknickten Flächen zu sehen.
Kurz noch den Motor ausprobieren (was ja geht, da er einen Elektrostarter hat):
Wie war das noch? Erstmal den Brandhahn auf, ok. Dann die Zündung an, ok: Triebwerk fährt aus, der Stopper geht zurück, die Benzinpumpe fördert Sprit (sollte sie zumindest) und der Prop dreht an.
Propeller frei? Alles klar für den Start!
Er dreht schnell durch und … und … und … nichts passiert.
Nochmal alles checken; haben wir auch nichts vergessen?  Motor abgesoffen? Nein, auch nach dem 6. Versuch tut sich nichts und wir rufen bei DG an und fragen nach; sofort der Tipp eines Mechanikers: Brandhahn zu und nochmals probieren: wieder nichts!
Nach einiger Diskussion und ausprobieren und unserer Feststellung, dass kein Sprit im Motor ankommt schickte DG einen Mitarbeiter (Freitagmittag um 12!). Dieser fand zumindest  keinen Fehler in der Bedienung: Erleichterung!

Doch dann die ernüchternde Nachricht: die Benzinpumpe ist defekt!
Wir sahen das Wochenende schon ohne Motor (was uns die ein oder andere Flugstunde gekostet hätte) dahinziehen, doch dann der Vorschlag: kommt doch einfach vorbei, wir reparieren das sofort und ihr könnt dann weiterfliegen!
Gesagt, getan; so folgte ein F-Schlepp nach Bruchsal.
Erstmal in der Luft, nach einem völlig langweiligen und problemlosen F-Schlepp, fahren wir das Fahrwerk ein. Einfacher geht es wohl nicht: ein Schalter und zwei Tasterdrücke genügen und das Fahrwerk verschwindet im Rumpf; Klong!; Stille im Cockpit!
Die Stille wird schnell gebrochen, denn keiner von den beiden Piloten (Elle und Frerk) kennt sich mit dem Zander aus. Das ist aber nicht schlimm, denn eine Karte ist an Bord. Die Richtung bestimmt der Copilot, bis plötzlich der Pilot meint, er hätte das Zander verstanden. So geht es einen kurzen Moment in die falsche Richtung...

„Frerk, andersrum!!!“

Die altmodische Papierkarte behält recht, und der Flugplatz Bruchsal ist fix gefunden, auch wenn der Pilot vorn das alles nicht glauben mag. Ein Storch mit ausgefahrenem Fahrwerk hängt neben uns in der Luft und wundert sich über die Manöver des großen weißen Vogels...
Die DG1000 „D-KLDG“ landet butterweich in Bruchsal.
Wie bei der Formel 1 beginnen wir den Boxenstopp:
Vier weißgekleidete Männer kommen angelaufen bzw. gefahren und reißen das Flugzeug auseinander. Staunend beobachten wir: Spritpumpe raus, neue wieder rein, Flugzeug wieder zusammen, abkleben und wieder an den Start gerollt um das Triebwerk auszuprobiert (das nun auf Anhieb anspringt). Um den eh schon perfekten Service nochmal zu toppen lässt DG auch schon ein 390ps-Monster zum F-Schleppen vorrollen. An der Bordwand „Museum Sinsheim“ sowohl in Normal als auch in Rückenflugposition aufgedruckt, rollte die Maschine kaum eine Stunde nach der Landung vor die DG und schleppt die beiden Piloten mit 7m/s aus dem Platz.
Nach 2 Minuten in 900m angekommen wurde ausgeklinkt und es geht direkt, nach einem kurzen Motorlauf-check in die Thermik. Zwei Stunden Flug beginnen, in denen Frerk sich endgültig und hoffnungslos in das Flugzeug verliebt.
Für Elle ist das Fliegen des Doppelsitzers von hinten ein wenig ungewohnt. Die Sicht nach vorn ist wegen der großen Kopfstütze behindert. Durch die ganze Aufregung, wenig Schlaf und die Karlsruher Luft beeinträchtigt wurde die Pinkeltüte nach einer Stunde zum Auffangbehälter auch für andere Dinge.

Trotzdem fliegen wir ein Stück in Richtung Odenwald, entdecken Sinsheim, Heidelberg, Hockenheim-Ring, das Technik-Museum in Speyer und am Schluß noch einen kleinen Teil des Pfälzerwaldes. Die Gegend ist herrlich abwechslungsreich!
Nach gut zwei Stunden wieder in Linkenheim gelandet hopsen ein völlig begeisterter und aufgeregter Frerk und eine taumelnde Elle aus dem fliegenden Wunderwerk.

Am nächsten Tag waren, der Esel immer zum Schluss, ich vorn und Frerk hinten dran. Nachdem wir startbereit und angeschnallt eine Stunde auf einen Windenstart, F-Schlepp, irgendwas … gewartet haben das uns endlich in die Luft schießt ging es dann um 12:15 im F-Schlepp auf 250m, Motor raus und Bröööööömmmmm. Thermisch war der Anschluss schnell gefunden so dass wir den Tag nutzten, um die Gegend von oben zu erkunden. Aufgrund einer von Westen her nahenden Abschirmung haben wir uns auf den Weg Richtung Osten gemacht. Schon früh haben wir uns gedacht, dass das mit dem Heimweg wohl nicht mehr klappt, aber das war uns ziemlich egal, Hauptsache im guten Wetter fliegen! Auf Kilometer 220 nach Linkenheim hatten wir dann Erbarmen und so sind wir ab Kilometer 200 durch die mehr oder weniger tote Luft nach Hause geglitten, mit der Gewissheit eines Turbos im Rücken. Doch siehe da auch unter der Abschirmung und ohne Wolken trugen die Bärte sodass wir schon bald auf 80km ran waren mit 2000m unterm Hintern. Mit ein bisschen Gegenwind meinte der Rechner das passt. Große Augen bei den Clubklasse-Fliegern. Aber man los … und es passte. Ein tolles Flugzeug!

Die nächsten beiden Tage waren leider recht verregnet und grau, trotzdem ließ Elle es sich nicht nehmen, ebenfalls die Flugeigenschaften, erst mit Heike und dann mit Frerk, zu testen und war hell auf Begeistert. Besonders wichtig war ihr Urteil, da sie bereits die Motorbedienung aus dem Ventus CM kennt, bei der etwa 10 Checkpunkte in der richtigen Reihenfolge abzuarbeiten sind, um den Motor zum Laufen zu kriegen. Auch das Einfahren des Motors nach getaner Arbeit will gekonnt sein... Nach der Landung mit der DG 1000 T ein Grinsen „Das ist schon echt beeindruckend!“ Unter diesem Stern stand das Wochenende.

Kurzum: Tolle Flugeigenschaften, Gleitzahl wie angegeben (1:46,5), Fahrwerksbedienung einfach und praktisch, Motorkbedienonzept beeindruckend unkompliziert, Start und Landung unkritisch haben genauso Überzeugt wie das unglaublich ausgereifte Beladungskonzept, das es nur durch Verwendung der mitgelieferten Bleiklötzchen auch 30kg Menschen erlaubt, vorn zu sitzen und die Schwerpunktlage für jedes Gewicht bis 117 kg  im Vorderen Sitz präzise einzustellen... Wir könnten hier noch Stunden schwärmen und berichten, natürlich auch gerne persönlich detaillierter über unsere Erfahrungen.

Besonderer Dank geht an:

-         Heike, vielen Dank für die Herberge und die F-Schlepp-Organisation usw.usw

-         Repower, für die freundliche Jugendförderung

-         und natürlich Volker Halbe und DG-Flugzeugbau für den Service und natürlich die Möglichkeit dieses tolle Flugzeug testen zu dürfen. Wir 4 (Elle, Heike, Frerk und mich) sind überzeugt.

So geht das verlängerte Wochenende mit einer Heimfahrt entlang an Regenbögen und rosa Abendlichtwölkchen zu Ende, um ein paar glückliche Flieger reicher.