Nachruf Michael Meier

Michael Meier Wir trauern um unseren Fluglehrer und unser Ehrenmitglied Michael-Lorenz Meier, der am 7. Januar 2008 im 71. Lebensjahr nach schwerer Krankheit verstarb. Der Hamburger Aero-Club Boberg (HAC) verliert mit Michel, wie ihn alle nannten, einen hervorragenden Techniker und Fluglehrer.

Michel kam 1952 als Fünfzehnjähriger zum HAC, der gerade die Fliegerei wieder aufgenommen hatte und das Fluggelände Boberg herrichtete. Michel gehörte somit zu den Mitgliedern der ersten Stunde und erlebte und gestaltete den Neubeginn der Segelfliegerei. Der Segelflug faszinierte ihn außerordentlich. Er entschied sich zum Studium der Luftfahrttechnik in Aachen und ging 1960 als Luftfahrtingenieur zum Hamburger Flugzeugbau (heute AIRBUS) und zurück zu seinen Bobenger Segelfliegern. Es folgten Jahre, in denen Michel sich intensiv dem Leistungssegelflug verschrieb und an vielen regionalen und deutschen Meisterschaften erfolgreich teilnahm und große Überlandflüge absolvierte. Der Leistungssegelflug war seine Leidenschaft. Einerseits wollte Michel als Ingenieur sein Wissen und Know-How in Entwurf und Bau leistungsfähiger Segelflugzeuge einbringen und andererseits seine fliegerischen Kenntnisse weiter vermitteln. In besonderer Weise ist ihm beides gelungen.

Als Eigenbau sind unter seiner Regie die beiden Segelflugzeuge MILOMEI M1 und M2 in den sechziger und siebziger Jahren entstanden. Beide Flugzeuge, in Metallbauweise gefertigt, wiesen die Handschrift eines Großflugzeugbauers und einige hochinteressante technische Details auf. Die M2 mit 22m Spannweite verfügte über Flügel mit variabler Geometrie, wobei die Fläche um 40% vergrößert werden konnte. Die MILOMEI M1 ist heute im Verkehrsmuseum Stade ausgestellt. Auch den zweiten Teil seiner Leidenschaft setzte Michel in beispielhafter Weise um. Das vom Segelflugweltmeister Heinz Huth Erlernte gab er als Fluglehrer jetzt selbst weiter. Auf vielen Überlandflügen wurden Schüler mit den Grundregeln des Überlandund Leistungssegelfluges vertraut gemacht. Wie kaum ein anderer Fluglehrer erkannte Michel sehr früh, dass nicht der Schüler für den Lehrer sondern der Lehrer für den Schüler da sein muss. Mit dieser Einstellung schaffte er es immer wieder, eine hoch motivierte Schülerschaft um sich zu scharen. Sein Mittwochsflugbetrieb, bei dem ihn seine Frau Antje tatkräftig unterstützte, wurde sehr gut angenommen und war wegweisend. Wie selbstverständlich gehörte die Organisation von Überlandflugsommerlagern für Anfänger mit zu seinem Repertoire. Zehnmal organisierte er Fliegerferien in Chauvigny/Frankreich. 2007 feierten wir dort mit Michel, der bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnet war, seinen 9000. Start.

Für Michel stand die Fliegerei an erster Stelle. Trotzdem fand er die Zeit, sich zusätzlich um übergreifende Dinge zu kümmern. So war er von 1971 bis 1981 als Flugbetriebsleiter tätig und baute in dieser Zeit die Vereins-EDV zur Abrechnung der Starts und Flugzeiten, Baustunden usw. auf. Er schuf ein System, das noch heute Grundlage unserer Vereinsabrechnungs-EDV ist.

Auch außerhalb des Vereines war Michel bekannt. Nicht nur seine Australienurlaube trugen dazu bei, sondern mehr noch seine Wendepunktdatei, die heute Basis vieler moderner Segelflugrechnerdateien ist. Michel und Antje hatten es sich zum Hobby gemacht, weltweit die exakten Koordinaten von Wendepunkten, Außenlandeplätzen und Segelfluggeländen zu ermitteln und zu katalogisieren. Sie fanden dadurch große Anerkennung.

Michel Meier hat sich um den Hamburger Aero-Club Boberg, den Segelflugsport und die Fliegerei sehr verdient gemacht. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke in unserem Verein. Wir werden sein Andenken in Ehren halten und ihm einen festen Platz in unseren Erinnerungen geben.

Der Vorstand des
HAC Boberg e. V.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.