Von Uetersen aus sind wir für Streckenflüge etwas benachteiligt: Luftraum und Marsch machen den Abflug nicht leicht. Ein 300 km Streckenflug gilt als gute Leistung; 500 km als überragend. Unser ehemaliges Mitglied Klaus Schlüter ("Lima-Kilo") war Experte für solche Streckenflüge von Uetersen aus. Klaus hat elf verschiedene FAI-Dreiecke über 500 km mit seiner CS 304 und vier weitere mit seiner SZD-55 von Uetersen aus geflogen, alle wie angemeldet. Kurz vor seinem Tod im Oktober 2007 stiftete er den Lima-Kilo-Pokal (Ausschreibung auf der LSV-Webseite).
Einen 500 km Flug hatte ich mir schon lange als Ziel gesetzt: vor 20 Jahren habe ich mein erstes 300 km FAI-Dreieck mit der DG-300 geflogen und den Diamanten für die Zielstrecke erworben. Seitdem kein Fortschritt (nur 2 vergebliche Versuche auf der Schwäbischen Alb). Mit dem Wechsel zur DG-808c und dem damit verbundenen Vertrauensgewinn habe ich mich im letzten Winter mit 500 km Flügen befasst. Da Klaus ein Meister in solchen Flügen von Uetersen aus war, wo konnte ich besser mit der Planung beginnen als mit seinen 15 Routen? Einige Strecken fielen wegen inzwischen veränderter Lufträume schnell aus dem Raster. Im engere Auswahl kam sein Pokal-Flug Nr. 5: Uetersen Fpl - Nortorf Bhf - Suckow A24 - Berkhof A7 "Nord" - Uetersen Fpl. Diesen 511 km Flug hat Klaus am 20.7.96 mit seiner Glasflügel 304 geflogen.
Nach einem 300 km Flug um Hamburg Anfang Mai und weiteren Flügen auf der Alb war ich einigermaßen mit der DG-808c vertraut. Gelegenheit kam am 26.6. Wind aus West bis Nordwest mit 20 km/h und gute Thermik. Ich kam etwas verspätet auf den Flugplatz - Olaf mit seinem DuoDiscus und Wolfgang mit seiner DG-600M waren schon am Start. Nadia und Jens halfen mir die Flügel zu montieren. Das Flugzeug fertiggemacht, gecheckt und gedreht Richtung Lande-T. Welche Aufgabe für heute? Irgendwie kam die Idee: Lima-Kilo Nr. 5 - wenn nicht heute (fast der längste Tag) - wann sonst? Raoul hielt den Flügel als ich raus rollte, dann Vollgas und ab Richtung Westen (11:46 Uhr Lokalzeit). Ca. 700 m über dem Platz (im Abflugsektor) - Gas raus, 60 Sekunden Leerlauf zum abkühlen und dann Motor weg - im Prinzip wie ein F-Schlepp auf 600 m Höhe.
Zu Anfang war die Basis wirklich niedrig. Über Uetersen, Richtung Elmshorn; 3000' Höhenfreigaben in Sektoren Mitte und Nord konnten nicht ausgeflogen werden. Erst nördlich von Wrist konnte ich 1000 m übersteigen. Nortorf Bahnhof wurde in 600 m umrundet, kurz danach wieder auf knapp 1000 m - aber Richtung Kurs sah es gar nicht gut aus - viel Wolken und kaum Sonne. Ich beschloss über Wahlstedt zu fliegen (südlich vom Kurs) in der Hoffnung, die Lokalflieger würden den Hausbart markieren - aber die waren längst unterwegs und kein Segelflugzeug zu sehen. Trotz mangelnder Sonneneinstrahlung ging es mehrmals auf knapp über 1000 m hoch. Südlich von Bad Oldesloe ging es gar nicht gut. Unter 550 m sagt ich mir: entweder kommt ein Bart innerhalb von 6o Sekunden oder der Motor kommt raus. Ein kleiner Sonnenfleck auf einer Wiese mit angrenzendem Wald lag vor mir und tatsächlich ging es dort aufwärts - zunächst langsam, aber letztendlich bis über 1000 m hoch.
Östlich vom Flugplatz Grambeker Heide war eine Wolke (immer noch unter der Abdeckung) die mich auf 1200 m brachte. Abflug Richtung Osten wo die Abdeckung lockerer wurde. Trotzdem ging es bis zur 2. Wende (Sukow) nur einmal auf 1300 m. Dazu kam, dass ich zunehmend Kopfschmerzen entwickelte. Und ich war deutlich hinter dem Zeitplan (15:00 Uhr Lokalzeit). Ab Richtung Süd-West; kurz vor der Elbe, ging es auf 1500 m hoch; der Wind drehte auf nördliche Richtung. Über die Elbe, am Flugplatz Luchow-Rehbek vorbei, die Wolken wurden immer weniger, aber die Steigwerte besser und ich konnte schneller fliegen. Südlich von Uelzen holte ich von Bremen Information die Bestätigung, dass die ED-Rs um Fassberg alle inaktiv waren. Das war gut so, denn es ging mit über 4 m/s zuerst über 1600 m und dann 1700 m . Die Kopfschmerzen wurden immer schlimmer und ich schüttete zur Linderung ständig Trinkwasser über meinen Kopf.
Noch einmal nördlich von Celle "tanken" auf knapp 1800 m und ab Richtung 3. Wende (Berkhof A7) der in 1500 m um 17:10 Uhr Lokalzeit umrundet wurde. Jetzt geht's nur noch Richtung Uetersen (115 km)! Man denkt, man muss nur der A7 folgen, aber die führt Richtung Hamburg Stadtmitte und nicht nach EDHE. Der LX meinte, ich würde kurz nach 18:00 Uhr zu Hause sein (etwas optimistisch). Der Himmel auf Kurs sah nicht so gut aus (im Osten natürlich besser), also MacCready etwas reduzieren und vorsichtiger fliegen. Aber die Kopfschmerzen waren plötzlich weg.
Die Thermik beim Heimflug ging bis 1400 m hoch, ich schaltete meinen Transponder ein und meldete mich erneut bei Bremen Information. Ein Transponder Code wurde zugewiesen (nicht einfach einzustellen wenn das Segelflugzeug hin und her wackelt). Finkenwerder Luftraum D (HX) war nicht aktiv. Der FIS Lotse war gut drauf, gab die WM Fußball-Ergebnisse durch.
Irgendwann meldete der LX, dass Uetersen erreichbar wäre. Eine Freigabe durch den Südkorridor machte keinen Sinn, da ich schon unter 4500' in dem Bereich war. Kurz vor dem Südsektor fiel mir ein, nach dem Status der Höhenfreigabe zu fragen - der FIS Lotse informierte: 3000' (es war am Vormittag 4000'). Direktkurs nach Uetersen wo ich in 400 m Höhe ankam. Ein paar Kreise und die Landung um 18:41 Uhr Lokalzeit nach 6:54 Stunden Flugzeit. Ich war natürlich mit dem neuen Segelflugzeug zufrieden. Dieser Flug wurde als Bedingung für meinen 2. Diamanten anerkannt.
Drei Wochen später wiederholte ich die selbe Aufgabe bei etwas besseren Bedingungen (und ohne Kopfschmerzen) - diesmal 50 Minuten schneller. Dies war der erste "Lima-Kilo" Flug seit Klaus Ausschreibung. Man muss bedenken, dass Klaus seine Flüge mit 15 m-Flugzeugen gemacht hat (GS-304 Index 110, SZD-55 Index 108); meine DG-808c hat Index 120 (und Motor im Rücken). Dazu hat Klaus alles mit Fotos dokumentiert und ohne GPS navigiert. Allerdings war der Luftraum damals nicht so restriktiv wie heute und das Wetter ist schlechter geworden .
Die erste Augustwoche 2009 in Wilsche war Sommer pur. Ein frisches Hochdruckgebiet sorgte für Streckenwetter. Die DG-1000 war täglich auf Tournee, meist im Verband mit der "Kilo-India". Auch am Platz ging es bestens: Bei Arbeitshöhen jenseits der 1500 m habe ich in diesen Tagen zwei wertungsfähige Flüge mit dem Discus hinbekommen, ohne den Gleitbereich von Wilsche zu verlassen.
Am Freitag wollte ich dann auch mal mehr. Für eigenverantwortliche Überlandflüge fehlten mir noch ein paar Ziellandungen auf unseren Vereinsmaschinen, aber mit einem Fluglehrer auf dem Rücksitz ist das ja kein Problem. Und da war ich (wie auch schon andere Kameraden an den Vortagen) bei Olli genau richtig! Wir setzen bescheidene Ziele: Gegen den Wind, grobe Richtung Lüsse (südwestlich von Berlin), und dann mal sehen. Die Thermik lässt uns morgens genug Zeit für die Vorbereitung. Olli übernimmt es, nach weniger als 300 m Ausklinkhöhe den ersten Bart zu suchen. Als ich uns schon fast beim zweiten Versuch sehe, wird er fündig. Frische Bärte in niedriger Höhe können verdammt eng sein. "Alles okay?", kommt nach einer Weile die vorsichtige Nachfrage von hinten. Ja, alles gut, aber hoffentlich sind wir bald auf Absprunghöhe. Nach einer Weile überlässt Olli mir den Knüppel, und schnell ist aus soliden zwei Metern Steigen nur noch ein knapper Meter geworden. Hab ich es mal wieder geschafft, mich rauszumanövrieren, oder ist der Bart einfach am Ende?
Unsere Höhe ist noch bescheiden, entsprechend vorsichtig tasten wir uns vorwärts Richtung Wolfsburg. Mehrere Wolken fliege ich an, das Vario zuckt, aber so richtig hoch geht es nicht. Am Elbe-Seitenkanal ist es doch wieder Olli, der den Bart ausgräbt, in dem uns bald die Kilo-India und sogar ein Schwarm Störche Gesellschaft leisten. Westlich an Magdeburg vorbei geht es dann nach und nach immer besser, nur der Gegenwind bremst uns aus. Zwischenzeitlich peilen wir Dessau an, dann schwenken wir weiter nach Osten, wo schöne Wolkenstraßen locken. Das folgende nennt Olli schlicht "Omafliegen": Zügig im Delphinstil geradeaus unter der Basis entlang. In der DG-1000 fühlen sich auch 150 km/h noch nicht wie ein Sturzflug an, und in den Aufwinden setzen wir einen guten Teil davon wieder in Höhe um, meistens ohne einzukreisen. Bald nähern wir uns dem südlichen Rand des Charlie-Airspace von Berlin. Plötzlich halten die Wolken nicht mehr, was sie eben noch versprochen haben. Der Höhenmesser geht langsam auf Talfahrt und wir fischen im Trüben. Ein paar Kameraden auf dem Flarm geht es offenbar auch nicht besser. Und wir sind weit weg von Wilsche. Olli erteilt die nächste Lektion: "Wenn die Wolken nichts mehr hergeben, muss was Frisches her." Er steuert uns dahin, wo man sonst als Segelflieger eher selten sucht: In die Sonne. Und tatsächlich geht es über den Windrädern bei Jüterbog bald wieder aufwärts. Zeit für den Rückweg. Wir müssen beim Kurbeln noch aufpassen, dass wir keine Luftraumverletzung begehen. Dann fliegt Kilo-India voraus und holt die Freigabe für die ED-R73 (nicht aktiv). Die Wolkenstraßen funktionieren wieder und bringen uns zügig nach Magdeburg. Das Wetter wird im Südwesten diesiger, im Norden blauer. Morgen werden solche Flüge wohl nicht mehr drin sein. Aber noch ist Wolfsburg erst knapp in Sicht, da ertönt es von hinten "Bingo!". In gut 2000 m Höhe sind wir in Endanflugdistanz nach Wilsche.
Zugabe gefällig? Kilo-India geht noch ein Stück nach Norden raus. Meinerseits stelle ich fest, dass mein Bedarf eigentlich gedeckt ist. Schließlich ist so ein langer Flug auch ein wenig anstrengend, besonders für Ungeübte. Also geht es gemütlich heimwärts, und da wir zwischendurch immer noch Thermik haben, kommen wir viel zu hoch an. Also gleiten wir doch noch ein Stück nordwärts die Höhe ab. Als ich dann wieder umdrehe und auf den Platz zuhalte, muss Olli mich aus der Abwindzone rausholen, durch die ich gerade stumpf hindurchfliege. Offensichtlich bin ich für heute wirklich fertig. Ein letztes Mal volle Konzentration für die Landung, dann ist eine erstklassige Lehrstunde im Streckenfliegen vorbei. An Olli an dieser Stelle noch mal ein großes Danke! Die Kilometer, die am Ende in der Wertung hinter meinem Namen stehen, sind zu einem nicht unwesentlichen Teil sein Verdienst. An alle anderen: Zur Nachahmung dringend empfohlen! Vielleicht in Wilsche 2010?
Beim Zurückdenken an unser diesjähriges Sommerlager in Neustadt-Glewe kommt mir ein spontanes Lächeln aufs Gesicht, mir fallen Szenen des gemeinsamen Zusammenlebens ein die uns alle zum Lachen gebracht haben, und an die hier erinnert werden soll.
Rückblickend lässt sich sagen, dass sich die zwischenmenschliche Stimmung analog zur jeweiligen Wetterlage bewegte - als ich zu Beginn der zweiten Woche anreiste, fand ich eine Truppe weitgehend gutgelaunter Sportsfreunde an, die von der vorhergehend labil geschichteten Luftmasse ordentlich profitieren konnte, und dies auch bereits getan hatten. Ich vernahm aber auch, dass es in der ersten Woche zwischenmenschlich nach labiler Schichtung zu kleineren Frontgewittern gekommen war. Der echte Frontdurchzug vor dem Fenster folgte dann am nächsten Tag, während sich die Lage drinnen vollkommen stabilisierte. Wettertechnisch konnte also die zweite Woche mit der ersten längst nicht mithalten, dennoch vertrieben wir uns die gemeinsame Zeit gut, z.B. mit einem Kinobesuch, dem Besuch der nahe gelegenen Skihalle, einem Besuch der Landeshauptstadt oder dem Beisammensein im Clubheim - lustig war es immer. Das lag unter anderem auch am amüsanten Zusammenleben mit den Verdener Besuchern - der Kontakt warf bei manch einem der männlichen Jugendgruppenmitglieder die Frage auf, ob sich die (Pf)verdener Mädchen wohl mit Reiten und Äckern auskannten?! und sorgte beim Rest unserer Belegschaft für anhaltende Heiterkeit. Dank des beliebten Sanitärdienstes war das Clubheim stets in Schuss und auch das gemeinsame Kochen und Essen waren stets top gesellige Angelegenheiten - dazu FloFlo: "DAS ist ja Babynahrung!!!"
Natürlich kann man nicht eines jeden Geschmack treffen, aber Grieß gab es auch und es hat zumeist allen gut geschmeckt. An dieser Stelle auch Dank an Mutti (sie fuhr auch den Roomster für uns zum Einkaufen!), die sich nur ungern aus der Küche vertreiben ließ und ein wachsames Auge auf unser aller kulinarisches Wohlergehen hatte ("Schatzi, ich habe dir ein Leberwurstbrot gemacht!"). Außer natürlich, wenn auswärts vorzüglich im stolzen Siedler diniert wurde- "Coke Zero? HÄ?Wat is dat denn?" Küchentechnischen Nachholbedarf gab es auch bei Lennart: "Was ist Kotlett? Ieh, und was sind Kapern? Sind da Knochen drin?" - und nein, Lennart - bitte nicht wie Felix ohne Spüli abwaschen, nur weil's auch so sauber aussieht! Gegenteilig verhielt es sich bei unseren Fluglehrern, Rainer machte leckerste Königsberger Klopse und Olli ist unser ungekrönter König des Milchreiskochens! Nein, Grieß ist bestimmt nicht toller als Milchreis!!! IS NICH! Für schöne Stunden sorgten auch die Neustädter Sportsfreunde und ihr Platz, - vom SKP (Start-Kontroll-Punkt aka Startwagen) erreichte man die Winde, die bereits beim ersten Sonnenstrahl mit dem ausnehmend leicht bekleideten Team aus Magnus und Wolfgang besetzt war - Jörg: "Ist das ein fleischfarbenes T-Shirt?" Nein! Nur Tatoo und Schlüpfer!!! Auch am Start besuchten die zwei uns gern "Hey Darling!". Störend am Platz war unserem Felix, im folgenden Federfelix genannt, aufgefallen, dass die defekte Feder im Lepo sehr rückenschädlich sein musste, was er auch im Brustton der Überzeugung beim Briefing vortrug. Glücklicherweise hatte man als seine persönliche Rettung noch den Komforttrecker in petto.
Erfrischend waren auch der Badesee und Rainers Sohn Flo, der ein absolutes Ass im Tischdecken, Autofahren und in der Unterhaltung ist!
Genug aber des zwischenmenschlichen, auch fliegerisch war das Lager recht erfolgreich - es wurden diverse B- und C-Prüfungen geflogen, 50km Flug, einige Strecken- und unzählige thermische Vergnügungsflüge gemacht. Das lag natürlich an der hervorragenden Betreuung durch Olli, Rainer und Norbert, denen an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei! Bleibt nur noch zu erwähnen, dass es unser erstes Lager mit (fast) durchgehender WLAN Versorgung war, die unzählige Notebooks aus den Zelten hervorbeschworen. Zudem ein großer Dank an Sylvia (Darling) und Sönke P., die die schönen Stunden für uns organisiert haben - wir fanden es klasse und schätzen eure Arbeit!
Nach vorzeitiger Ankunft in Uetersen ließen wir die schönen Tage nach dem
Aufrüsten der Flugzeuge noch bei einem gemeinsamen Grillabend ausklingen.
Ich freue mich auf das nächste Fluglager!
Samstag, 4. August 2007, 11:15 UTC, Schwäbische Alb, Segelfluggelände Oppingen. Ein Duo Discus, Wettbewerbskennzeichen OPI, doppelt besetzt, startet an der Seilwinde des Vereins. Den Start führt Fluglehrer Tobias Schmohl durch. Nach kurzer Zeit erreicht der Doppelsitzer die für den Platz übliche Schlepphöhe von 210 Meter über Boden. Der Fluglehrer reißt das Ruder rum und kreist in den Thermikbart ein, der zufällig über der Winde steht. Mit 2-3 Meter Steigen pro Sekunde bringt er den Duo Discus auf 1100 Meter NN. Der Platz selbst liegt auf einer Höhe von 680 Meter NN. Der Fluglehrer überlässt die Steuerung dem Piloten auf dem Vordersitz und bittet ihn zum Flugplatz Berneck zu fliegen, der nur wenige Kilometer von Oppingen entfernt ist. Dieser Pilot bin ich.
Ich hatte das Glück mit einem Fluglehrer des in Oppingen ansässigen Vereins eine Einweisung für das Thermik- und Streckenfliegen auf der Schwäbischen Alb durchzuführen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir, mein Vater, Klaus Pfeiffer, Uwe Lorenzen und ich, nur wenige Tage für Streckenflug gehabt. Ich bin zweimal mit der DG-300 meines Vaters vom Platz weggekommen. Ein Flug konnte sogar für DMSt. gewertet werden (89 Kilometer). Das Wetter war teilweise regnerisch, aber meistens schien die Sonne. Thermisch waren 3 Tage mit Wolken dabei (einer mit Abtrocknung: Uwe ist außengelandet, mein Vater schaffte es gerade noch zurück zum Platz). Der zweiwöchige Aufenthalt auf der Schwäbischen Alb war zwar angenehm, da zum einen das Wetter meistens gut war, zum anderen, weil wir jeden Abend in ein Restaurant gegangen sind. Aber zurück zum Flug im Duo Discus:
Über Berneck trafen wir eine Ka-8 und eine Ka-6, die unter den Wolken kreisten. Außerdem war ein weiterer Duo Discus auf unserer Höhe, der in einem Bart kreiste. Mein „Passagier“ kannte Flugzeug (Kennzeichen KUH) und Pilot(in), und nach einem kleinen Gespräch, während dem ich uns hoch gekurbelt habe, flogen wir zusammen mit einem Kunststoffeinsitzer (Flugzeugtyp konnte ich nicht erkennen, aber vermutlich ein LS- oder AS-Flieger, markant war nur das Kennzeichen 7W) auf Strecke Richtung Klippeneck.
OPI und KUH gehen mit Sieben Whiskey(s) auf Strecke... Toll ☺
Das Thermikfliegen dort unten ist vollkommen anders als bei uns im Norden. Zum einen muss man sehr aufmerksam den Luftraum beobachten... Nicht weil einem ein Flugzeug entgegenkommen KÖNNTE, sondern weil mit absoluter Sicherheit ein Flugzeug entgegenkommen WIRD. Das wurde noch dadurch verstärkt, dass in Klippeneck ein Segelflugwettbewerb stattfand, und alle Piloten in unsere Richtung flogen.
Zum anderen sind die Thermikbärte stärker (2-3 Meter war eigentlich immer drin, manchmal auch 4-5) und schmaler. Die Streckenflieger dort unten kurbeln nicht mehr wenn sie nicht gerade einen großen Höhenmangel haben. Mit 800 Metern über Grund flogen wir von Wolke zu Wolke. Bei Steigen (wie gesagt... plötzlich 3 Meter) wurde einmal kräftig am Höhenruder gezogen und auf 95-100 km/h abgebremst, wenn man dann kurz davor war die Thermik zu verlassen, wurde wieder auf 150 beschleunigt. Indizien für Thermik waren OPI und 7W, die immer dicht vor uns waren. Sie schossen unter einer Wolke dann spontan nach oben.
Kurz hinter Klippeneck, was ca. 110 Kilometer von Oppingen entfernt liegt, wurde mir durch das von Zeit zu Zeit kurz auftretende Eingreifen von Tobias etwas mulmig (soll heißen: mir war schlecht) und wir drehten um. Das war auch die richtige Entscheidung! OPI und 7W flogen noch ein Stückchen weiter und drehten dann auch um, da die Wolken sich langsam auflösten. 40 Kilometer vor Oppingen hatten wir unseren letzten Bart der uns auf 1100 Meter über Boden brachte. Der Endanflugrechner des COMPAQ zeigte –240 Meter an, also bräuchten wir noch 240 Meter um zum Platz zurück zu kommen. Doch Tobias meinte „flieg einfach geradeaus. Und du kannst auch schneller fliegen.“. Also donnerten wir mit 150km/h Richtung Platz. 18 km vom Platz entfernt (laut COMPAQ) und 700 Meter über dem Boden konnte ich am Horizont den Platz sehen (ACHTUNG! Leicht übertrieben). Das Pilotengefühl sagt einem dass man das nie im Leben schafft, und zwischen uns und dem Platz war alles blau. Jedoch sagte eine Stimme zu mir wir würden das schaffen (die Stimme von Tobias). Der Endanflugrechner zeigte mittlerweile –200m an (zwischendurch ging es doch mal mit 1 m/s im Blauen nach oben, wir sind aber nur gerade durch). Tobias erklärte mir dass der Rechner immer 300 Meter draufrechnet. Wir zischten also mit 150km/h in 250 Metern Höhe über Nellingen (nur wenige Kilometer von Oppingen entfernt) und schafften es tatsächlich in den Endanflug.
231 DMSt.-Punkte (254 km) gab’s dafür.
Fazit des Urlaubs: Sonnenbrand, ~300 DMSt.-Punkte für mich und einen Bauch voller schwäbischer Leckereien.
Trotz des für Streckenflug nicht idealen Wetters wurde jeden Tag aufgebaut und geflogen, denn im Gegensatz zu den beiden vorigen Jahren in MeckPomm lag der Schwerpunkt des Fluglagers auf Schulung.
Henryk und Rainer schafften es, mit zeitweiliger Unterstützung durch Olli und Thomas, innerhalb von zwei Wochen so gut wie alle Doppelsitzerschüler auf Ka-8 und teilweise sogar Ka-6 umzuschulen. Ansonsten gab es einen Freiflug und den bereits erwähnten 50km-Flug.
Aber zurück zum Städtchen Hoya: Neben kleinen Unzulänglichkeiten (verdammter Regen) verbucht es auch ein paar Pluspunkte gegenüber Lärz. Zum einen die Supermärkte. Aldi, Lidl und Famila sind im Ort vertreten. Auch gibt es in Hoya ein Kino, das gab es in Mecklenburg nicht. Irgendwie ist aber das Wetter im Osten besser. Was soll man machen.
Glücklicherweise konnte man sich während der häufigen Wolkenbrüche in den wunderbaren Clubräumlichkeiten verkriechen, da war wirklich Platz für jeden, sogar an einer professionell ausgestatteten Bar. Gläser hat dennoch niemand benutzt.
Schnell bildete sich der Mittelpunkt des Interesses um Rainer. Ob er im Männerbund mit Henryk Tonnen von Zwiebeln versuppte oder den Campingplatz mit einem kräftigen „Rainer, Telefon“ aus seinem Handy beschallte, wo Rainer war, da war es wenigstens nicht langweilig. Des Nachts versuchte er mit großen Antennen Kontakt mit anderen Funkern herzustellen, und wenn nicht Albert gerade seine fahrbare Minidisko aufbaute, war auch dies in höchstem Maße spannend.
Nach knapp zwei Wochen erreichte die Weser bedrohliche Pegelstände und bevor die ersten Zelte auch von unten nass werden würden, entschloss man sich zur Heimreise. Das Abrüsten funktionierte trotz Regen (mit Gewohnheit kommt Gelassenheit) gut und alle Flugzeuge erreichten den heimischen Flugplatz mehr oder weniger unbeschädigt.
Das Fluglager war, gemäß seiner Zielsetzung, ein Erfolg vor allem für Schüler. Streckenflieger blieben meist auf dem Trockenen.
Schluss mit den Wetterwitzen.
Nachdem die ersten 7-Minuten-Flüge gemacht worden waren, erhielten wir 3000 Fuß Höhenfreigabe für Sektor Mitte und Nord. Dann versuchte ich mein Glück ein zweites Mal und ich war zuversichtlich diesmal länger oben zu bleiben, da es immer mehr Cumuluswolken gab. Dank Wind aus Ost-Nordost habe ich es mit unserer Winde auf 400 Meter geschafft, wofür ich mich bei Albert, der auf der Winde saß, bedankte. Ich schaltete meine E-Vario ein, und es fing gleich an wie wild zu piepen.
Der Nordost Wind schob mich recht schnell über die Motorbahn, doch Arnold erteilte mir über Funk die Erlaubnis vorerst dort zu kreisen. Ich war nach kurzer Zeit schon auf 700 Metern und suchte mir eine schönere Wolke. Diese fand ich über der Kaserne mit 2-3 Metern Steigen. Leider war die Wolkenbasis bei etwa 850 Metern, weshalb ich des Öfteren in den Geradeausflug überging und kurze Zeit lang die Klappen zog. Mit 700 Metern ging es dann zurück zu meiner Wolke. Nachdem ich dies etwa 3 mal wiederholt hatte, suchte ich mir eine Wolke westlich vom Platz, die auch ganz gut mit 1,5-2 Metern ging, mich aber nicht zu schnell hochzog. Ostwind schob mich leider immer weiter auf die Elbe zu, sodass ich aus 900 Metern mit 150 km/h zurück zum Platz bretterte. Dort kreiste schon ein gewisser Hotel Echo Mike mit seiner DG-300, ich schloss mich dem an. Mein Tagesziel war eigentlich eine halbe Stunde oben zu bleiben, was ich laut meiner inneren Uhr schon um das mehrfache überschritten hatte (störte mich nicht). Mein Vater schlug eine vorsichtige Entfernung vom Platz vor. Vorsichtig hieß nicht zu weit weg, um noch in der Platzrunde zu bleiben, sowie ein Flug gegen den Wind, damit man (ich) wenn ich wollte, beinahe sofort wieder bei der Position wäre. Der Weg sollte uns Richtung Pinneberg führen, wir verloren uns aber sehr schnell aus den Augen, was an der besseren Erfahrung meines Vaters sowie meiner noch nicht ganz so gut ausgeprägten „Thermik-Einkreis-Technik“ lag (ich brauchte etwas länger sie zu 100 % einzukreisen, bis dahin war HEM schon oben). Ich kurbelte mich wieder auf meine 900 Meter hoch, während mein Vater über der Müllverbrennungsanlage kreiste. Langsam schliefen mir die Füße ein, ich vermute aber, sie sind eher eingefroren. So kreiste ich in einer schwächlichen Thermik, die DG-1000 100 Meter unter mir.
Dann sah ich die SCU-Ka-8 über dem Wald westlich vom Platz kreisen. Kurzerhand flog ich auch dort, genauso wie fast jede Ka-8 und Ka-6 vom SCU und LSV. Tom beschrieb es als „Hornissennest“, und ich kann mir vorstellen, dass es von weitem so aussah. Mit den maximalen 900 Metern flog ich dann wieder davon. Man merke schon, dass sich die Thermik aufzulösen begann. Über der Position fand ich dann doch noch Thermik mit 0,5-1 Meter Steigen. Ich fragte über Funk nach, wie lange ich schon oben sei und ich bekam die Antwort „1 Stunde 39 Minuten“. Die 2 Stunden schaff ich auch noch, dachte ich mir. Und so flog ich weiter in meiner 0,5 Meter Thermik. Irgendwann war auch diese Thermikblase erschöpft, und ich kämpfte mit 700 Metern nach neuer Thermik. Als auch bei 500 Meter nichts mehr war, machte mich schon langsam für die Landung bereit. Kurze Nachfrage nach meiner Flugzeit wurde mit 1 Stunde 59 beantwortet. „Dann hab ich ja gleich 2 Stunden“ antwortete ich. Prompt kam die Anfrage von Olaf nach Bier für den ersten 2 Stundenflug...
„Bier ist ungesund...“ „Och Mensch...“
Als ich dann mit 2 Stunden 10 Minuten am Platz landete, kam ich erst gar nicht aus der Ka-6 raus. . . - Meine Beine waren festgefroren UND eingeschlafen. Nach mir sind dann auch die anderen gelandet, da um etwa 4 Uhr auch die letzte Thermik ihren Geist aufgab. Gefreut hat mich, dass H.-J. Sählandt mir allerhand im Ausbildungsnachweis abgezeichnet hat: Einfliegen in die Thermik und Thermikflug, mit anderen Flugzeugen in einer Thermik kreisen, Schnellflug, 30-Minutenflug (muss man zwar ansagen, aber mein Flugauftrag lautete: „Bleib mal ne Stunde oben“, und das zählte nach Hans-Jürgens Meinung auch) und Kurvenwechsel mit 30-45° QN, was ich beim letzten Mal gemacht hatte. Dieser Sonntag war aus Jedermanns Sicht ein schöner Saisonabschluss und jeder hatte etwas davon. André hatte zum Beispiel 6 Starts mit Fluglehrer, was seiner Praxis im Segelfliegen zu Gute kam. Den längsten Flug an dem Tag hatte Klaus Pfeiffer im Discus mit 2 Stunden 41, danach mein Vater mit 2 Stunden 40 und danach ich, mit meinen 2 Stunden 10. Es ist schon etwas ganz anderes eine kurze Platzrunde von etwa 10 Minuten zu fliegen, als 2 Stunden in der Luft zu sein. Ich freue mich schon auf die nächste Saison und auf lange Flüge.
Mit zugekniffenen Augen auf dem Rücken liegend starrten wir in den Himmel. Und da waren sie plötzlich. Unter herrlichen Kumuluswolken kreisten sie und kurbelten sich immer höher bis sie dann Reißaus nahmen. Stundenlang konnte ich den Segelfliegern zuschauen und in Gedanken saß ich dort drin und schaute mir die Welt von oben an.
Mit zunehmendem Alter wurden auch die Mädchen interessanter und irgendwann gründete auch ich eine Familie. Die Segelflieger traten in den Hintergrund aber immer wenn ich irgendwo die weißen, in der Sonne glitzernden Flügel am Himmel entdeckte, keimte der Wunsch wieder in mir auf, selbst dort drin zu sitzen.
Sommer 1991. Mein damaliger Chef war aktiver Segelflieger. Seinen Erzählungen lauschte ich immer mit Begeisterung. Wenn es aufs Wochenende zuging, trampelte er schon immer von einem Bein aufs andere und alle viertel Stunde war er vor der Tür zu sehen, um nach dem Wetter Ausschau zu halten.
Einmal sprach er mich an und meinte: "Kommen Sie mich doch mal auf dem Flugplatz besuchen, da lässt sich bestimmt was machen". Gesagt, getan. Schon am nächsten Wochenende machte ich mich auf den Weg Richtung "Grambecker Heide". Bewaffnet mit Videokamera stieg ich in eine K13 und genoss meinen ersten Segelflug. Es war fantastisch. Trotzdem sollten noch viele Jahre vergehen bis ich selbst ein Segelflugzeug fliegen würde.
Sommer 2003. Irgendwann im Frühjahr fiel mir in unserem Wochenblatt ein Bericht über das Segelfliegen ins Auge, worin auch ein Schnupperfliegen angeboten wurde. Ich konnte meine Frau überreden und so fuhren wir an einem feuchten Maisonntag nach Uetersen und tranken erst einmal gemütlich Kaffee im Towerrestaurant. Am Nebentisch wurde sich angeregt über die Fliegerei unterhalten. Als wir dann schon wieder gehen wollten, kam uns der Herr vom Nebentisch auf der Terrasse entgegen und wir sprachen ihn an. Walter (Pruns) erzählte begeistert vom Fliegen und zeigte uns auch gleich den Weg zu den Segelfliegern. Schon standen wir am Startplatz. Hörnchen, Frank und Silvan machten F-Schlepp. Auf die Frage hin ob ich mal mitfliegen möchte, antwortete ich natürlich gleich mit JA und so machte ich mit Hörnchen meinen ersten Flug beim LSV. Auch bekam ich gleich einige Unterlagen für die Anmeldung im Verein. Schon am nächsten Wochenende war ich wieder auf dem Platz und machte meine ersten Schulungsflüge.
Sowie es meine Zeit erlaubte war ich auf dem Platz zu finden, so dass ich bisher 45 Starts absolvierte und die Fluglehrer der Meinung waren, dass ich reif für meinen ersten Alleinflug sei. Nach zwei Seilrissübungen war ich dann fällig. Hauke gab mir noch ein paar letzte Tipps, wünschte mir viel Spaß und schon hing ich am Seil. Einige Kreise im Übungsraum, Landeeinteilung, die Erde hatte mich wieder. Erst als der Flieger ausgerollt war wurde mir bewusst was ich geschafft hatte und nun wurden auch die Knie weich.
Nach einer verdienten Pause und der theoretischen Unterweisung von Arnold durfte ich noch zwei Mal alleine starten. Edda saß auf der Winde und schleppte wie der Teufel persönlich, der Wind hatte aufgefrischt und unter den herannahenden Wolken war es ziemlich ruppig. Aber ich hatte es geschafft - ich hatte die A-Prüfung bestanden.
Die anschließende Zeremonie wird mich in der kommenden Flugsaison dank schlagkräftiger Argumente auch den kleinsten Bart finden lassen. An dieser Stelle möchte ich einmal einen Dank an unsere Fluglehrer aussprechen, die mit viel Geduld an uns Flugschüler ihr Wissen vermitteln und uns hoffentlich zu guten Segelfliegern werden lassen!
Und wie war's? Na ja, die Sache begann erstmal mit einer Anfahrt bei Regenwetter, so dass wir uns in Ruhe dem Aufbau der Zelte sowie den Köstlichkeiten aus den mecklenburgischen Brauereien und Wurstfabriken widmen konnten. Auch der darauf folgende Tag der Gewöhnungsflüge war durch eine angenehm frische Brise geprägt, so dass niemand zu lange oben blieb.
Dabei hatten wir schon mal Gelegenheit, unsere Gastgeber kennenzulernen: z.B. Peter, schon durch die leicht nach vorn geneigte Gangart seine Leistungsbereitschaft andeutend; oder Hugo, einer, der eher aus dem Windschatten kommt; dann noch ein weiterer Peter sowie Klabü, zwei Zeitgenossen, die das Ganze nicht so eng sehen; und noch einige mehr. Alles Leute, die mit dem Stark/Hartz/Aldagschen Familienclan befreundet sind, weswegen wir in eine insgesamt herzliche Atmosphäre hineinfielen. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass diese angenehme Stimmung im Verlauf der zwei Wochen noch manchen zum Neutralisieren des Folgetages zwingen sollte...
Und dann kam sie, zunächst nur zeitweise, dann aber zunehmend unübersehbar: die Thermik. Schon zu Beginn der ersten Woche erprobte die eine oder der andere jene Basishöhen, die sich üblicherweise am Spätnachmittag einstellten, und die dann bald über 1.800 Meter hinausgehen sollten. Alles selbstverständlich ohne Luftraumbeschränkung direkt am Platz erfliegbar!
So konnten denn auch etliche Streckenflüge nicht ausbleiben. Von den Vereinsflugzeugen wurden außer Ka 8 und ASK 13 alle dafür genutzt, auf der Ka 6 gelang Marcus sogar ein 199 km Dreieck. Weitere herausragende Leistungen waren natürlich die 500 km Dreiecke von Klaus, die 460 km des "KI"-Teams, Jürgens knappe 400 km mit Außenlandung, das 330 km Dreieck von Sönke auf dem Discus, und etliche mehr. Alle profitierten davon, direkt am Platz Höhe zu gewinnen und entspannt, ohne geographische oder luftrechtliche Hindernisse, abfliegen zu können. Insgesamt haben 12 Piloten 26 Streckenflüge mit 6400 Kilometern angemeldet. Außerdem wurden drei 50 km Flüge absolviert, und zwar alle am gleichen Tag, man weiß ja nie, was noch kommt...
Und tatsächlich: Zu Beginn der zweiten Woche kündigten sich die ersten Gewitterwarnungen an, zunächst mehr im sozialen Bereich, später auch meteorologisch. Das enge Zusammenleben im Camp hatte dazu geführt, dass sich einige junge Erwachsene mit ihren Erwartungen an die Einsatzbereitschaft der Jugendlichen enttäuscht fühlten und ihre Kritik nicht zurückhielten, während die Jugendlichen selber sich umgekehrt über die mangelnde Anerkennung ihrer Mitarbeit ärgerten und das Gefühl hatten, als Sündenböcke herzuhalten. Eine gemeinsame Aussprache sorgte dann dafür, dass alle Beteiligten sich während der verbleibenden Tage besonders viel Mühe miteinander gaben.
Ach ja: Das Sommercamp war natürlich auch diesmal ein Lehrgang; Rainer schulte fast während der gesamten Zeit; Henryk, Olli und Mathias (vom SCU) gaben ihm durch ihre Unterstützung zeitweise Gelegenheit zum Luft holen. Neben den 50ern wurden von den Schülern ein erster Alleinflug (Julian) sowie diverse B- und C-Prüfungen geflogen. Auch wenn die Streckenflieger angesichts der guten thermischen Bedingungen vom Schulbetrieb nicht so furchtbar viel mitbekamen: Die Schulflugzeuge (ASK 13, Ka 8) machten genauso viele Stunden wie z.B. der Discus oder die ASK 21!
Im Nachhinein scheinen so gut wie alle Teilnehmer davon auszugehen, dass das Camp im kommenden Jahr wiederholt wird. Hoffen wir, dass sich diese Begeisterung in das dafür nötige Engagement umsetzen wird!
Nach zwei Außenlandungen und vielen guten Ratschlägen von erfahrenen Piloten wurde ich langsam immer mutiger. An einem Tag bekamen wir eine Aufgabe von 400 km. Das Wetter erzählte von eventuellen 1/8 Cumulus. Die Basis wurde für rund 2000m angesagt. Nach dem Start hinter der Turbo Wilga, flogen der Pilot von der 88 (Baden-Württemberg) und ich nur noch zusammen. 30 Minuten nach Öffnung der Startlinie flogen wir ab. Es sah nicht schlecht aus. Es waren einzelne Cumuli am Himmel und wir kamen gut voran. An der ersten Wende holte uns der Pulk der Besten ein. Wir stellten unseren Flugstil um und flogen hinter ihnen her. Von da an blieb es auch nur noch blau. Ich blieb immer schön hinter den anderen und flog ihnen nach. Wir holten immer mehr Flugzeuge ein und waren auf einmal mit 15 Flugzeugen unterwegs. Gegen Abend flogen wir Richtung Lüsse.
Auf der Wettbewerbs Frequenz meldete sich ein Fluglehrer aus Lüsse und fragte, wann wir den Flugplatz Lüsse kreuzen würden. Wir meldeten 15 km auf Lüsse und der Fluglehrer bedankte sich. Als wir in Lüsse ankamen, wussten wir auch wieso. In 1200 Metern wartete ein Harzklumpen, auch Astir genannt, auf uns. Wir flogen den ganzen Tag zwischen 1000 und 1800 Metern Höhe. Da die Zeit aber schon fortgeschritten war, entschieden die 88 und ich, dass wir bis an die Basis steigen wollten, um noch mit guter Thermik Höhe zu sichern. Dies wurde mir schon von vielen erfahrenen Piloten aus unserem Verein geraten. Mit runden 3.5m/s stiegen wir auf knappe 2500m. Hinter uns immer noch der Astir und den wurden wir auch nicht mehr los. Als wir die letzte Wende passierten, stand nur noch eine Wolke am Himmel. Wir, die 88 und ich, kamen rund 500 Meter über dem anderen Pulk an und nahmen Endanflug Höhe. Der letzte Bart des Tages zog uns noch mit 2,5 Metern an die Wolke ran. Unter uns begannen sie zu meckern, da alle durch einander kurbelten und kaum noch einer stieg. Zwischen uns und dem Pulk kreiste noch der Astir. Endlich sagte der Rechner +300 Meter auf das Ziel. 40km ging es nur noch gerade aus nach Hause. Im Endteil hangelten wir uns noch durch die Baumreihen und machten einen tiefen Überflug über die Ziellinie. Danach kam das Fahrwerk raus und schon setzte ich auf und kam zum Stehen. Der erste Blick verwunderte mich! Es war kaum ein Flugzeug am Boden zu sehen. Die 88 landete neben mir und der Astir auch. Ich ging zu dem Piloten von dem Harzklumpen und fragte ihn, wer er sei. Es stellte sich heraus, dass es ein 50 km Pilot aus Lüsse war, der mit uns seine 70km zurückgelegt hatte. Nach kurzer Gratulation rollte schon die Wilga vor ihn und schleppte ihn zurück nach Lüsse.
Nach einem wunderschönen Flugtag und einer schönen Strecke ging der Tag zu Ende. Die 88 und ich lagen in der Tageswertung unter den ersten 10.
Nach 60 Flugstunden, 14 geflogenen Tagen und rund 3000 km fuhr ich glücklich mit Marcus zurück nach Uetersen. Dort erwarteten mich schon ein paar Vereinskameraden.
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last update 7.1.2011