Die Geschichte des Luftsportverein Osterholz-Scharmbeck:
| 11.5.1951 | Gründung des LVO in der Waldschänke Osterholz-Scharmbeck. Eingeladen zu dieser
Gründungsversammlung wurden fluginteressierte Männer und Frauen aus der Kreisstadt,
24 Personen nahmen an dieser Versammlung teil. Eingetragen in das Vereinsregister des
Amtsgerichts Osterholz-Scharmbeck wurde der Verein allerdings erst am 9.2.1956. 14 Tage später (1.6.1951) fand ein zweites Treffen statt, hier wurden bereits 51 Mitgliedskarten ausgegeben, der monatliche Vereinsbeitrag wurde zunächst auf 0,50DM festgesetzt. Gründungsmitglieder waren zu 60% Luftwaffenflieger des 2.Weltkrieges, 20% waren Segelflieger und der Rest bestand aus Modellbauern. |
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Zum Erntefestumzug im August 1951 traten die Luftsportler erstmals öffentlich in Erscheinung. Als sichtbares Zeichen der Vereinsarbeit führten die Modellbauer selbstgefertigte Flugmodelle mit sich. |
| Ende 1951 | Die LVO-Mitglieder beschlossen, bei der Firma Ganz und Schade in Kassel für
DM2000.- einen SG38-Baukasten zu kaufen. Der Baukausten wurde im Frühjahr 1952
ausgeliefert. Die Firma Drettmann stellte den Segelfliegern einen Raum als
Werkstatt zur Verfügung. Da die ehemaligen Weltkriegspiloten aber anders als die Modellbauer keinerlei Werkstatterfahrung besaßen, wurde der Bausatz wieder zur Herstellerfirma nach Kassel zurückgebracht. Die beiden Mitglieder der Modellbaugruppe Herbert Just (Fahrzeugstellmacher) und Siegfried Prange (Tischler) fuhren mit nach Kassel. Hier bauten sie in den Werkstätten von Ganz und Schade den vereinseigenen SG38 zusammen. Am 19.12.1952 war die Flugzeugfertigabnahme in Kassel-Hasenhecke. |
| 14.5.1953 | Der LVO veranstaltete seinen ersten Flugtag. Er fand auf der Finken'schen Wiese
zwischen Hafenkanal und heutigem Segelfluggelände statt. Die zuständige Luftfahrtbehörde
hatte für die Benutzung der Wiese neben dem Kanal eine Ausnahmegenehmigung erteilt.
Hunderte von Schaulustigen verfolgten die Taufe des SG38. Der Bremer Verein für Luftfahrt war anlässlich des Osterholzer Flugtages mit einem doppelsitzigen Segelflugzeug "Kranich III" zu Besuch, um Gastflüge zu machen. Sie sollten dazu dienen, Mitglieder zu werben. Die Bremer hatten auch eine Schleppwinde mitgebracht. Ein besonderes Ereignis war der Start eines Gasballons in Lintel. Am Abend feierten die Flieger im "Waldhaus" einen großen Ball. An ihm nahmen auch Vertreter der Nachbarvereine teil. |
| September 1953 | Da den Osterholzer Luftsportlern in der Kreisstadt noch ein geeignetes Gelände fehlte, schulten sie ab September 1953 gemeinsam mit dem Bremer und dem Delmenhorster Verein auf der Fläche des Bremer Flughafens; die Delmenhorster stellten dabei die Winde, die Osterholzer ihren Schulgleiter zur Verfügung. Als Fluglehrer fungierte unter anderem Fritz Einbeck aus Delmenhorst. Am 4. Dezember 1953 erhielten die Osterholzer Erich Schröder und Günter Schwetzke die Fluglehrerberechtigung. Sie konnten diese Funktion aber aus beruflichen Gründen nicht ausüben. Auf dem Osterholzer SG38 flogen sich neben Bremer und Osterholzer Segelfliegern auch ihre Kameraden aus Delmenhorst und Bremerhaven frei. |
| Ab 1954 | Ab 1954 konnte auf dem Bremer Flughafen nicht mehr uneingeschränkt geschult werden, die Piloten der anfliegenden Linienmaschinen hatten sich beschwert. So wichen die Osterholzer Segelflieger kurzfristig nach Beverstedt aus. Sie flogen dort zusammen mit dem Luftsportverein "Unterweser" aus Bremerhaven. Die Bremerhavener stellten dabei einen Doppelsitzer Mü13 zur Verfügung, die Osterholzer brachten ihren SG38 ein. Der Luftsportverein "Unterweser" besaß bereits eine Schlepp-Winde. |
| 1954-1961 | Von 1954 bis 1961 wurde hauptsächlich in Bremerhaven geflogen. Das vereinseigene Segelflugzeug SG38 konnte zunächst noch in den Lagerhallen der Fa. Drettmann untergestellt werden. Diese Möglichkeit wurde dem Verein aufgekündigt. Das zwang die Luftsportler zu einer völlig neuen Konzeption. Ihre Bemühungen um ein geeignetes Fluggelände und einen günstigen Unterstellplatz konzentrierten sich schließlich auf die Rieselwiesen der Reiswerke hinter dem Hafen. Diese Flächen konnten landwirtschaftlich nicht genutzt werden. Darum konnte sie der LVO kostengünstig pachten. Andere Gelände, z.B. auf der Geest, standen für derartige Aktivitäten nicht zur Verfügung. |
| März 1955 | Im März 1955 kaufte der LVO von der Stadt Osterholz-Scharmbeck eine ehemalige Reichsarbeitsdienst(RAD)-Baracke (8x20m) für DM 750,-. Diese Baracke stand am Laubenweg. Dort mussten die Vereinsmitglieder den Holzbau zunächst demontieren und die vorhandenen Fundamente entfernen. Das Wasserwirtschaftsamt Verden hatte dem Verein ein Gelände hinter dem Hafendeich verpachtet. Dort sollte der Holzbau als freistehende Konstruktion wieder aufgebaut werden. Zu diesem Zweck musste aber zunächst einmal der vorhandene Deich auf einer Länge von etwa 30m zu einem Drittel abgetragen werden. Anschließend mussten die vorher säuberlich abgestochenen Grassoden wieder auf den Restdeich aufgelegt werden. Jetzt erst konnten die LVO-Mitglieder mit den Ausschachtarbeiten für das Fundament beginnen. Im Herbst 1955 wurde dann der Betonsockel gegossen. Die meiste Arbeit bewältigten die Luftsportler mit der Hand. Allerdings unterstützte die Fa. Stehnke den Verein, indem sie ihm dafür eine Mischmaschine und Schalungsbretter zur Verfügung stellte sowie den Kiestransport ermöglichte. Am 30. Mai 1957 konnte der LVO die ehemalige RAD-Baracke als Fliegerheim, Werkstatt und Hangar einweihen. |
| 20.3.1956 | Um die zeitgemäße Doppelsitzerschulung aufnehmen zu können, entschieden sich die LVO-Mitglieder am 20. März 1956 auf einer Versammlung für die Beteiligung am Kauf eines doppelsitzigen Segelflugzeuges (Rhönlerche II) im Rahmen einer Haltergemeinschaft mit benachbarten Vereinen. Damit wurde der SG38 als Schulflugzeug aus dem Ausbildungsbetrieb genommen. |
| Herbst 1957 | Trotz guter Zusammenarbeit mit den Bremerhavener Segelfliegern wollten die Osterholzer Luftsportler aber doch lieber zu Hause fliegen. Schließlich erhielt der LVO im Herbst 1957 eine "erste vorläufige Zulassung" für das heutige Segelfluggelände. Eine Winde wurde in Lemwerder ausgeliehen. |
| 8.9.1957 | Die "Rhönlerche" stürzte in der Nähe des Osterholzer Fluggeländes in einen Apfelbaum. Die Piloten kamen zwar mit dem Leben davon, das Flugzeug war jedoch stark demoliert. Der LVO ließ das Flugzeug im Herstellerwerk wieder aufrüsten. Anschließend übernahm er (1958) die Rhönlerche allein, weil sich die Haltergemeinschaft mit den anderen Vereinen als wenig sinnvoll erwiesen hatte; sie wurde kurzerhand aufgelöst. |
| 1959/60 | 1959/60 vereinigten sich die Ritterhuder Luftsportler mit dem LVO. Die Ritterhuder
brachten ein guterhaltenes doppelsitziges Segelflugzeug, eine Ka7 (Rhönadler), und eine
Winde in die neue Gemeinschaft ein. Ernst Drünkler fungierte als Lehrer und
Ausbildungsleiter. Das Segelfluggelände hinter dem Hafen erwies sich als wenig ideal, es war außerordentlich feucht. Zwei Gräben durchtrennten das Flugfeld und erschwerten das Landen ebenso wie das Rückholen der Flugzeuge. Die Flugschüler mussten das Windenseil teilweise mit der Hand über eine 700m lange Strecke ausziehen! Der Platzausbau wurde für den Verein zum größten Problem. Ab 1959 fuhr die Fa. Stehnke u.a. den Bodenaushub der Zigarrenfabrik, der alten Post und der Kreissparkasse auf den Flugplatz. Insgesamt wurde das Segelfluggelände in einem Zeitraum von ca. zehn Jahren mit 50.000 cbm Erdreich aufgefüllt. So besaß der Luftsportverein Osterholz-Scharmbeck e.V. 1959 einen Flugplatz, ein Fliegerheim, eine Werkstatt, einen Hangar sowie Flugzeuge und eine Winde aber keinen vereinseigenen Fluglehrer. Dieses Manko behinderte die fliegerische Entwicklung des Vereins beträchtlich. |
| 1963 | An die "Alte Halle" wurde ein Anbau angefügt. |
| 1965 | Die Osterholzer Segelflieger konnten sich mit der Ka8b erstmals ein zeitgemäßes einsitziges Leistungsflugzeug kaufen. |
| Im Laufe der nächsten Jahre stockte der Luftsportverein Osterholz-Scharmbeck e.V.
seinen Flugzeugpark durch einen eigenstartfähigen Motorsegler SF 25B (Falke) auf. Dies war
möglich, weil insbesondere Helmut Wellbrock in der Fa. Möbelhaus Meyerhoff Frau Inge
Küster für die Belange des hiesigen Luftsportvereines gewinnen konnte. Ohne diese
Zuwendungen wäre der Ankauf eines Motorseglers auf Jahre hinaus für den Verein nicht
machbar gewesen. Segelflugzeuge sind Sportgeräte. Darum beantragte der LVO bei der Stadt Osterholz-Scharmbeck sowie beim Landkreis Zuschüsse im Rahmen der Sportförderung, um weitere Segelflugzeuge ankaufen zu können. So erwarb der Verein in der Folgezeit eine B4, einen Astir, eine ASK 21 und eine LS3. |
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| 1968 | Die Ka7 vom Luftsportverein Ritterhude-Bremen wurde gekauft. Dieser Verein löste sich anschließend auf. |
| 1972 | Die Segelflieger des Bremer Vereins für Luftfahrt kamen nach Osterholz-Scharmbeck. Sie bilden seither mit dem Luftsportverein Osterholz-Scharmbeck eine Flugplatzgemeinschaft. Die Bremer brachten auch Fluglehrer mit, so dass der Ausbildungsbetrieb in Osterholz-Scharmbeck intensiver fortgesetzt werden konnte. Als Ausbildungsleiter fungiert seit Jahren Daglef Schriever. |
| 1973 | Die Mitglieder der Gemeinschaft errichteten neben dem Segelfluggelände hinter dem Hafen einen freitragenden Hallenbau mit 750 qm Stellfläche. Damit die Halle errichtet werden konnte, musste ein Wiesengrundstück von dem Landwirt Birn angepachtet werden. Auch dieses Gelände musste zunächst für den Bau vorbereitet werden. Die neue Flugzeughalle wurde am 8. Juni 1974 mit einem "Tag der offenen Tür" eingeweiht. Bei diesem Bauvorhaben wurde der Luftsportverein von der Stadt und dem Landkreis finanziell unterstützt. Schließlich konnten die LVO-Mitglieder 1975 auch ein selbst gebautes Vereinsheim mit Clubraum, Küche, Sanitärbereich und Flugleitung beziehen, an deren fachmännischem Gelingen maßgeblich die Mitglieder Karl-Heinz Bartelt, Heinz Repty und Karl Pahnke beteiligt waren. Der LVO verfügt seitdem über eine Werkstatt, die sogar für große Reparaturen an Kunststofflugzeugen nach den Richtlinien des Luftfahrtbundesamtes zugelassen ist. Damit besitzt der Verein die Voraussetzungen, die jährlich anfallenden umfangreichen Wartungsarbeiten an den Segelflugzeugen selbst durchzuführen. |
| 20 Jahre lang haben die Mitglieder des Luftsportvereins Osterholz-Scharmbeck e.V. mehr gebaut, als dass sie geflogen sind. Für viele Luftsportler betrug das Verhältnis von Arbeitsstunden zu Flugstunden 500:1! Zeugen dieser arbeitsreichen Aufbauphase sind Werkstattleiter Herbert Just und der mittlerweile verstorbene langjährige Vorsitzende Helmut Wellbrock sowie die ehemaligen Vorstandsmitglieder Heinz Rosenow und Helmut Bendorf. Sie können über die Ursprünge des Vereins und den Werdegang so manche Geschichte erzählen. | |
| Die Osterholzer Segelflieger sind in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend störungsfrei und ohne wesentliche Schäden geflogen. Tödliche Unfälle haben sich glücklicherweise nie ereignet. 1957 hatten die Osterholzer Luftsportler den Absturz der Rhönlerche zu beklagen. Im Jahre 1984 verlor Ingrid Renner in der Platzrunde die Kontrolle über die B4 und stürzte ab. Die Pilotin wurde schwer verletzt, das Flugzeug beim Aufprall total zerstört. | |
| Die bekannte Startart mit der Winde wird ergänzt durch Flugzeugschlepps. Das Schleppflugzeug (Morane Rally 180 TS) bringt der Bremer Verein für Luftfahrt mit in die Flugplatzgemeinschaft ein. | |
| Weil die Wetterbedingungen in unserer Region nicht immer einen erfolgreichen Segelflugbetrieb zulassen, steht den Vereinsmitgliedern ein Motorsegler (SF 25C "Falke") zur Verfügung. Auf diesem Gerät können Anfängerschulung und Fortgeschrittenentraining sowohl für den Segelflug als auch für den Motorsegelflug betrieben werden. Für die Schulung auf den vereinseigenen Flugzeugen und für die theoretische Unterweisung stehen heute eine Reihe von Fluglehrern aus der Platzgemeinschaft bereit. Somit ist eine vollständige Pilotenausbildung im Verein möglich. Geflogen wird in er Regel an den Wochenenden. | |
| 1986 | Die Sparte MODELLFLUG des Luftsportvereins OHZ wurde gegründet. Seitdem findet auf dem Modellflugplatz in der "Langen Heide" bei Osterholz-Scharmbeck ein reger Modellflugbetrieb statt. Die Gruppe besteht heute aus ca. 30 Mitgliedern unterschiedlicher Altersstufen sowie einigen "Großfliegern". |
| 1991 | 1991 gelang es der Modellfluggruppe, vom 30.08. - 01.09. auf dem Flugplatz Osterholz-Scharmbeck die 1. Deutsche Meisterschaft im Seglerschleppwettbewerb auszurichten. An dieser Veranstaltung nahmen 16 Mannschaften teil, die aus dem gesamten Bundesgebiet, selbst aus Bayern angereist kamen. |
Gemeinsam mit dem Bremer Verein für Luftfahrt, mit dem der LVO bis heute eine gut funktionierende Flugplatzgemeinschaft bildet, werden regelmäßig Sommerlehrgänge veranstaltet, in denen flugbegeisterten Jugendlichen oder auch älteren die ersten Schritte des Fliegens mit Segelflugzeugen bzw. mit dem Motorsegler erlernen können.
Weitere regelmäßige Veranstaltungen am Flugplatz OHZ sind das so genannte "Kinderfliegen" im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Osterholz-Scharmbeck und das "MS-Fliegen" (Fliegen mit an MS erkrankten Menschen), die alljährlich durchgeführt werden.
Während in den frühen Jahren der Vereinstätigkeit der Mangel an Fluglehrern ein großes Problem war, ist die Qualifikation von Ausbildungskräften heute so hoch, daß in den vergangenen 10 Jahren unter Führung des Ausbildungsleiters Daglef Schriever am Flugplatz Osterholz-Scharmbeck mehrere Lehrgänge angeboten werden konnten, in denen erfahrene Segelflug- und Motorseglerpiloten erfolgreich zu Fluglehrern ausgebildet wurden. An diesen Lehrgängen nahmen neben Piloten aus den eigenen Vereinen auch Piloten aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz teil.
Geflogen wird vornehmlich am vereinseigenen Platz. Für die Segelflieger sind aber auch die Segelfluggelände in Gap in Süd-Frankreich, das Ausgangspunkt für das so genannte "Wellen-Fliegen" ist oder in Unterwössen, das Ausgangspunkt für die Alpenfliegerei ist, regelmäßige Anlaufplätze, zu denen mit vereinseigenen Segelflugzeugen gefahren wird, um den Segelflug unter völlig anderen Bedingungen als im flachen Norddeutschland zu betreiben. Mit dem Motorsegler wurden wiederholt mehrtägige Wanderflüge durchgeführt, die Piloten des Vereins bis nach Schweden, zu den Scilly-Islands (Süd-West-England) und sogar bis über die Alpen nach Korsika führten.