|
Ein kleiner
Überblick Fliegen ist für viele Menschen seit ihrer Kindheit
ein Traum. Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, wie es wohl ist,
über Dächer, Wälder und Berge zu fliegen? Heutzutage ist
es fast selbstverständlich, mit dem Verkehrsflugzeug in den Urlaub
zu fliegen, aber die Faszination des Fliegens selbst kann diese "Busfahrt
im Himmel" bei weitem nicht vermitteln. Beim Segelfliegen wird das
Flugzeug alleine durch die Kraft der Sonne "angetrieben" und
man gleitet nahezu lautlos durch die Luft - ohne Motor oder Triebwerk
sind Flüge über mehrere Stunden und Hunderte von Kilometern
möglich.
Viele von uns haben schon einmal ein Papierflugzeug
gebastelt und es fliegen lassen. Die Flügel "tragen" das
Flugzeug (daher der Name "Tragflächen"), bis es wieder
auf dem Boden angekommen ist. Die Flügel von Segelflugzeugen (und
allen anderen Flugzeugen natürlich auch) haben eine spezielle Form,
ein "Profil". Wenn sich das Flugzeug durch die Luft bewegt,
bewirkt dieses Profil, dass die Luft auf der Oberseite den Flügel
schneller umströmt als auf der Unterseite. Dadurch entsteht auf der
Flügeloberseite ein Unterdruck und auf der Unterseite ein Überdruck.
Daraus wiederum resultiert eine Kraft, die den Flügel nach oben "zieht",
den Auftrieb. Das Flugzeug hat aber auch ein Gewicht und einen Widerstand,
und diese beiden Kräfte zusammen ziehen das Flugzeug insgesamt nach
unten, da sie größer sind als der Auftrieb. Beim Start wird das Segelflugzeug mit einer Seilwinde oder mit einem Motorflugzeug auf eine Höhe von 300-500 Metern gezogen. Dies erklärt aber noch nicht die Distanzen von 500 und mehr Kilometer, die Segelflugzeuge zurücklegen können. Um solche Entfernungen überbrücken zu können, muss das Flugzeug immer wieder Höhe gewinnen, die es dann abgleiten kann. Höhe gewinnt man, in dem man dort fliegt, wo die Luft nach oben steigt und das Segelflugzeug mit nach oben nimmt - in einem Aufwind. Es gibt im Prinzip drei Arten von Aufwind: 1.) Hangaufwind Zu Beginn der Segelfliegerei wurde ausschließlich im Hangaufwind geflogen. Wenn Wind weht, entsteht auf der windzugewandten Seite (Luv) eines Bergs oder Gebirges Hangaufwind, weil der Wind vom Berg nach oben abgelenkt wird. In dieser nach oben strömenden Luft fliegen die Segelflieger in relativ geringer Höhe über dem Boden immer entlang des Hangs, sind sie am Ende des Hangs angekommen, fliegen sie eine Kurve und wieder in die andere Richtung am Hang entlang. Wenn der Hang bzw. die Bergkette entsprechend lang ist, kann man so schon eine große Distanz überbrücken. |
|
| 2.) Flug in der "Welle"
Bei relativ starkem Wind entsteht auch auf der
windabgewandten Seite (Lee) eines Gebirgszugs ein Aufwindsystem. Abhängig
von der Form der Berge und der Windstärke schwingt sich die Luft
dahinter auf und kann sehr große Höhen erreichen. Selbst bei
einem relativ niedrigen Mittelgebirge wie der Haardt, die direkt bei uns
am Flugplatz liegt, können schon Höhen von 5000 Metern erreicht
werden. Bei starkem Wind kann das Flugzeug sogar still über dem Boden
stehen und Höhe gewinnen. In einer Welle ist die Luft ganz ruhig
und steigt gleichmäßig nach oben, davor und dahinter ist es
sehr böig und ruppig. Eine Leewelle wird durch eine charakteristische,
linsenförmige Wolke markiert, einem Cumulus Lenticularis. |
|
|
|
|
| 3.) Thermische
Aufwinde
Die heute am meisten genutzten Aufwinde sind die thermischen
Aufwinde, die Thermik. Wenn die Sonne den Boden erwärmt, erwärmt
sich dadurch auch die Luft über dem Boden. Manche Flächen erwärmen
sich schneller als andere (z.B. Felder, Asphaltierte Flächen, der
Sonne zugewandte Hänge im Gegensatz zu z.B. Wald oder Wasser), hier
wird die Luft besonders warm. Warme Luft hat eine geringere Dichte als
kalte, deshalb beginnt die warme Luft aufzusteigen. Beim Aufsteigen kühlt
sich die Luft dann ab. Kalte Luft kann weniger Wasser aufnehmen als warme,
wenn die aufsteigende Luft sich bis zu einer bestimmten Temperatur abgekühlt
hat, kondensiert das Wasser - eine Wolke entsteht. Und wenn ich keine Thermik mehr finde? Manchmal findet man keine Aufwinde mehr bzw. das Wetter ändert sich - also muss man irgendwann landen. Manchmal passiert das auch, wenn gerade weit und breit kein Flugplatz in der Nähe ist. Auf diese Fälle wird man in der Segelflugausbildung vorbereitet: Man muss eine "Außenlandung" durchführen. Der Pilot entscheidet sich für ein geeignetes Feld, auf dem er dann landet. Gerade bei Wettbewerben, bei denen es gilt, große Strecken zu fliegen, sind solche Außenlandungen recht häufig. Das Segelflugzeug wird dann abgebaut, in einen Anhänger geladen und wieder zum Flugplatz zurückgebracht.
Früher hat man Segelflugzeuge aus Holz gebaut. Rumpf und Flügel waren dabei oft ein Holzgerippe, das mit Stoff bespannt war (Holzbauweise). Später hat man den Rumpf auch aus einem bespannten Stahlrohrgerüst gebaut (Gemischtbauweise). Die Wartung und Reparatur solcher Flugzeuge ist recht einfach, weshalb man sie immer noch oft sehen kann, auch wenn ihre Flugleistungen nicht konkurrenzfähig zu neueren Modellen sind. Unsere K7 und unser Motorsegler sind noch in Gemischtbauweise gebaut. Solche Flugzeuge haben den Vorteil, recht leicht zu sein. Es gibt auch Segelflugzeuge in Metallbauweise. Sie Bestehen aus einem Metallgerippe, welches mit dünnem Aluminiumblech beplankt ist. Ein solches Flugzeug ist zum Beispiel der Blanik. Moderne Segelflugzeuge werden heute fast ausschließlich
aus Kunststoffen wie Kohlefaser- und Glasfaserverbundwerkstoffen hergestellt.
Das Flugzeug ist auch nicht mehr bespannt, sondern besteht vollständig
aus GfK oder KfK. Mit dieser Bauweise hat man viel mehr Möglichkeiten
bei der Formgebung der Flugzeuge, die Oberfläche ist gleichmäßiger
und hochwertiger und das ganze Flugzeug ist stabiler. Es gibt dank dieser
Materialien heute Segelflugzeuge mit Spannweiten über 25 Meter! Außerdem
ist der Kunststoff nicht so empfindlich wie eine Bespannung aus Stoff. |
|