1. VorbemerkungDieser Überblick über die Ausbildung zum Segelflugzeugführer soll keine Erläuterung der gesetzlichen Ausbildungsrichtlinien werden. Der Leser wird auch keine FAQs finden, sondern wir möchten in lockerer Form aufzeigen, welche Möglichkeiten ein Interessent hat. Da ist zunächst mal das Einstiegsalter zu besprechen. Segelflug ist ein Sport für Jung und Alt. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt, jedoch, und wer hätte dies gedacht, man/frau darf mit 14 Jahren mit der Ausbildung beginnen und auch schon alleine fliegen. Das ist kein Druckfehler! Die Ausbildung kann also eher losgehen als die Fahrschule für den Mofaführerschein. Ist man ganz schnell und hat entsprechendes Talent, winkt der Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer, wir sagen neuerdings Lizenz, schon mit 16 (!) Jahren. Genau zwei Jahre eher als der Führerschein für's Auto. Mit dieser Lizenz ist man vollwertiger aber auch eigenverantwortlicher Luftfahrer und hat die gleichen Rechte und natürlich Pflichten wie der Lufthansa Jumbo Kapitän. Nach diesem ganz kleinen Exkurs in die gesetzlichen Vorschriften möchten wir mit einigen offenen Worten fortfahren. Man muss sich darüber im klaren sein, dass Segelfliegen ein sehr zeitintensiver Sport ist, denn gerade hier stimmt das Sprichwort "Übung macht den Meister". Man darf nicht verschweigen, dass Segelfliegen, so wie alle Flugsportarten, ein gewisses Risiko beinhaltet, das man nicht ausschalten, sondern nur durch Übung vermindern kann. ![]()
Deshalb ist die Ausbildung auch ein wenig anspruchsvoll. Sie erfordert eine Lust zum Lernen und den notwendigen Ehrgeiz, neben der Praxis auch eine Menge Theorie zu büffeln, die zum einen für die amtliche Prüfung notwendig ist, aber auch ständiges Weiterbilden bedeutet. Dies muss gesagt werden, denn die Erfahrung zeigt, dass viele mit Begeisterung angefangen haben, sich dann aber durch unvermeidliche Durststrecken auf dem Weg zum Schein entschlossen haben, die Ausbildung abzubrechen. Dies bringt Frust, sowohl beim Lernenden als auch beim Verein, der Zeit und Arbeit in die Ausbildung des Flugschülers gesteckt hat. Eines können wir aber versprechen: Wer die Ausbildung geschafft hat und weiteren Ehrgeiz entwickelt, wird eine der schönsten Sportarten betreiben, die es gibt. 2. Die FlugschuleEgal, wie man zu dem Entschluss gekommen ist, Segelfliegen zu lernen, man muss einer Flugschule beitreten. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man meldet sich in einer gewerblichen Flugschule an und verbringt in der Regel diverse Urlaube dort oder man tritt einem Luftsportverein bei, wie es die LSG Fallersleben ist. Es gibt bei jeder Variante Vor- und Nachteile. Im folgenden werden wir diese wertneutral darstellen. 2. 1 Gewerbliche FlugschuleVorteile: Man bindet sich nicht, kann sich jederzeit zu einem Lehrgang anmelden und so über einen Zeitraum von ein bis drei Jahren seinen Schein erwerben. Die Flugschulen bieten meist zwei- bis dreiwöchige Kompaktkurse an und fliegen in dieser Zeit fast täglich, es sei denn, auch die Vögel müssen zu Fuß gehen, dann wird Theorie unterrichtet. Aufgrund der täglichen Fliegerei lernt man schnell, da lediglich die Nacht zwischen den Flugbetriebstagen eine Pause darstellt. So ist es durchaus möglich, dass man nach einem Grundlehrgang von zwei Wochen wirklich ganz allein fliegt und die sogenannte A-Prüfung macht.
Nachteile: Nun, da sind als erstes die Kosten zu nennen. Flugschulen sind zwangsläufig teuer, da das angestellte Personal, wie Techniker zum Warten der Flugzeuge und natürlich die Fluglehrer, bezahlt werden muss. Nach den Grundlehrgängen kommt nun die Aufbau- und Fortgeschrittenenschulung. Und da zeigen sich weitere Nachteile: Beschränkt man seine Ausbildung auf den Urlaub, so liegen zwischen den einzelnen Abschnitten sehr große Zeitspannen, in denen man meist sehr viel wieder vergisst. So müssen die ersten Tage dazu benutzt werden, um wieder "reinzukommen". Das kann zu einer längeren und teureren Ausbildung führen. 2.2 Ausbildung im VereinNachteile: Einen Verein tritt man meistens bei, weil man durch Bekannte geworben wurde oder einfach an einem Wochenende einen Flugplatz besucht hat und einen Gaststart mitgemacht hat. Dann hat man vielleicht voller Begeisterung auch noch einen Schnupperkurs im Verein gebucht und glaubt nun, binnen kurzem die Ausbildung hinter sich gebracht zu haben.
Das ist aber leider nicht so. Da im Vereinsbetrieb im Allgemeinen nur an den Wochenenden geflogen wird, dauert es länger, bis man zum ersten Mal allein fliegt. Durchschnittlich braucht man in einem Verein ca. 70-80 Starts bis dahin. Diese sind aber in einer Saison von März bis Oktober locker zu schaffen.
In einem Verein fallen natürlich auch andere Tätigkeiten als das Fliegen an. Der Flugplatz muss in Ordnung gehalten werden, die Fahrzeuge müssen gewartet werden und viele andere Dinge sind zu erledigen. Ganz besonders sei die Pflege des Fluggerätes erwähnt. Neben gut ausgebildetem Fachpersonal müssen auch die Hilfswilligen hier mit ran, um dann über erste Arbeiten auch irgendwann mal ein "Spezialist" zu werden. Alle diese Arbeiten erledigt man/frau natürlich ehrenamtlich in Form von Baustunden. Vorteile: An erster Stelle stehen da die Kosten. Wie eben schon gesagt, sind die Mitglieder alle ehrenamtlich tätig und es fallen keine Personalkosten an. Man vergleiche anhand unserer Gebührenordnung mal die Kosten mit denen einer Flugschule und rechne das ganze über einen Zeitraum von 4 Jahren hoch. Dann sieht man, dass hier die Vereinsausbildung unschlagbar ist.
Die Fluglehrer sind meist ebenfalls schon Jahre im Verein und begleiten den neuen Flugschüler vom ersten zaghaften Mitfühlen im Doppelsitzer bis zur Ablegung der amtlichen Prüfung. Sie kennen die Schwächen und Stärken und werden dem Flugschüler gezielt ein entsprechendes Training angedeihen lassen und ihr Wissen über den Flugschüler untereinander weitergeben, so dass alle Fluglehrer stets auf demselben Stand sind.
Nachdem der "Knoten erstmal geplatzt" ist, d.h. die ersten Alleinflüge absolviert wurden, geht es mit der Ausbildung zügig voran. Man festigt sein Können unter der Aufsicht der Lehrer, wird auf andere Flugzeuge (Einsitzer) umgeschult, lernt das Thermikfliegen und bleibt immer länger allein oben. Man fliegt ab und zu wieder mit Lehrer und lernt die Kniffs beim Anfliegen von Wolken und macht seine ersten Überlandflüge, also weg vom Platz. Neben der Navigation mit Karte und Landschaft - man muss ja immer wissen, wo man ist - muss der Segelflieger auch die meteorologische Navigation beherrschen. Aufwinde sind meist durch Wolken gekennzeichnet. Die Beurteilung, welche nun die beste ist, und die liegt nur selten auf dem Kurs, lernt man nur durch Erfahrung. Der Fluglehrer wird seine Erfahrung gern an den Flugschüler weitergeben. Im Vereinsbetrieb hat man dafür die entsprechende Muße und auch noch etwas anderes wird auf diesen Flügen passieren: Nicht immer ist die Suche nach Aufwinden erfolgreich. Wenn dann kein Flugplatz in der Nähe ist, muss der Segelflieger eine sogenannte Außenlandung machen. Der Fluglehrer zeigt nun, dass das Ganze genauso wie zu Hause am Flugplatz abläuft, nur gibt es keine markierte Landebahn und keinen Windsack.
Nach der Landung heißt es warten, bis die Kollegen mit dem Anhänger da sind und man wieder abgeholt wird. Dann wird erzählt, wie es war.
Und was sind das für Geschichten!!!!
Damit sind wir bei einem ganz wichtigen Vorteil der Vereinsausbildung angekommen, der sozialen Komponente. Segelfliegen ist ein Gemeinschaftssport. Niemand kommt ohne die Hilfe der anderen in die Luft und, wie wir gerade gesehen haben, wieder vom Acker. Jeder muss mit anpacken, damit der andere in die Luft kommt, und muss auch mal verzichten können, denn zu einem anderen Zeitpunkt ist er dran und dann verzichtet ein anderer. Und er kann sich austauschen, ist sicher, dass die anderen zuhören, denn jedes Erlebnis beim Fliegen ist anders und wird anders erlebt. Da die Zuhörer in der gleichen Situation sind, verstehen sie ihn auch und geben ihr Wissen dazu und so ergänzt sich die Gemeinschaft. Gerade für Jugendliche hat diese Art einen hohen erzieherischen Wert. Er lernt Verantwortung zu tragen, denn da das Fluggerät dem Verein gehört, hat man pfleglich damit umzugehen. Ganz zu schweigen von der Sicherheit. Diese wird GROSS geschrieben und man lernt auch, auf die kleinsten Dinge zu achten, damit nichts schief geht. Die unter den Nachteilen aufgeführte Wartung des Fluggerätes wird jetzt zum Vorteil, denn man lernt sein Fluggerät auch mal von innen kennen und erfährt, worauf es ankommt. Neben der Wartung findet im Winter auch der Theorieunterricht statt. Meist finden sich auch Flugschüler aus anderen Vereinen ein, um sich mit den Gesetzen im Fach Luftrecht, den Wolken in Meteorologie oder dem Kursdreieck bei Navigation zu beschäftigen. Natürlich muss man auch außerhalb des Unterrichtes üben und schnell finden sich die Gruppen zusammen, um sich zu weiteren Terminen zu verabreden. Beherrscht man nun den Stoff und alle fliegerische Übungen, kommt der Tag der Prüfung sowohl der Theorie als auch der Praxis. Aufgrund der auf den einzelnen Flugschüler zugeschnittenen Ausbildung in einem Verein bestehen die Flugschüler eigentlich immer und sind dann stolze Besitzer der Lizenz. Wir wollten den Leser nicht mit den gesetzlichen Forderungen und Richtlinien "langweilen". Detaillierte Fragen dazu sind viel besser in einem Gespräch zu klären. Rufen Sie uns an und vereinbaren Sie einen Termin oder schauen Sie ganz einfach mal vorbei. Wir halten weiteres Info-Material bereit. Wir hoffen, wir konnten dem interessierten Leser einen Überblick über die Ausbildung zum Segelflugzeugführer geben. Textbeitrag Jörg Beckmann |