Flugbetrieb
Es
ist schön, dass du dich hier reingeklickt hast und dich für den
Segelflug interessierst. Doch dir sollte klar sein, dass dieses Hobby
nicht nur aus dem Segelflug alleine besteht. Es beginnt schon damit,
dass man sich erst einmal von einem Fliegerarzt hinsichtlich seiner
Tauglichkeit prüfen lassen sollte. Dies ist jedoch nur eine kleine
Hürde, wenn man sie mit dem größten Problem des angehenden Fliegers
vergleicht: man braucht Zeit. Wenn man es mit dem Fliegen ernst meint,
wird es einem total vereinnahmen – aber auch viel zurückgeben.
Es beginnt damit, dass man morgens zwischen 10:00 und 10:30 Uhr zum
Flugplatz kommt. Gemeinsam wird die Halle ausgeräumt, es wird
entschieden, welche Flugzeuge benötigt werden. Während der eine Teil der
Gruppe sich um die Flugzeuge kümmert, packt ein anderer den Startbus.
Gleichzeitig fährt der Windenfahrer die Wind zum Segelfluggelände. Dann
müssen „nur“ noch die Segelflugzeuge durchgecheckt, die Seile ausgezogen
und kontrolliert werden, die Winde aufgebaut... Auf jeden Fall, nach
ungefähr anderthalb Stunden ist alles startklar. Das bedeutet aber
nicht, dass man sich jetzt zurücklehnen kann. Einer muss im Startbus die
Starts notieren und dem Windenfahrer Anweisungen geben, einer muss Seile
holen, die Flugzeuge wollen betreut werden, sprich man muss beim
einsteigen helfen, Seile einklinken, gelandete Flugzeuge zurückbringen.
Man muss schon in gewisser Weise leidensfähig sein, wenn man bedenkt,
dass man erst um ca. 20:00 Uhr nach dem einräumen der Halle zur Ruhe
kommt, und man vielleicht das Pech hatte, dass man nur ein bis zwei
kurze Flüge hatte, während andere mehrere Stunden in der Luft waren.
Jedoch arten die Arbeiten nie wirklich in Stress aus, nennen wir es
lieber positiven Stress. Es macht vielmehr Spaß, mit anderen
Vereinsmitgliedern
einen Flugbetrieb zu organisieren. Man entwickelt einen gewissen Stolz
auf das, was man am Flugplatz leistet, wenn man sieht, dass dadurch ein
reibungsloser Flugbetrieb ermöglicht wird. Gleichzeitig gibt es unter
den Segelfliegern ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Jeder hilft
jedem, da sonst der Flugbetrieb nicht funktioniert. Meistens klingt der
Abend dann in geselliger Runde beim Bier/Cola aus, Erfahrungen und
Erlebnisse des Flugbetriebstages werden ausgetauscht. Teilweise wird am
Flugplatz auch gecampt oder anderweitig übernachtet.
Es dürfte klar sein, dass in den Wintermonaten aufgrund des
schlechten Wetters am Flugplatz nicht allzu viel passiert. Das bedeutet
aber nicht, dass
es nichts zu tun gibt. So müssen unsere Flugzeuge in unserer Werkstatt
in Rheinhausen gewartet werden, oder der Flugplatz ausgebessert werden,
dass heißt Schlaglöcher werden gestopft, Bäume gestutzt, die Winde
überholt. Gleichzeitig findet in Sevelen der theoretische Unterricht für
die Flugschüler statt, der gezielt auf die theoretische
Luftfahrerscheinprüfung vorbereitet.
Segelfliegen an sich ist also ein sehr zeitaufwendiges und
anstrengendes Hobby. Aber alle Mühen und Qualen werden entschädigt, wenn
man an einem
guten
Thermiktag unter den Wolken hängt, und entspannt einen Blick über die
von oben majestätisch anmutende Landschaft schweifen lässt, sich für
eine Richtung entscheidet, und zur nächsten Wolke vorfliegt.