Außenlandung am Lac de Serre Ponçon


Anfang April war ich zum zweiten Mal mit dem D-Kader NRW im Rahmen einer Trainerfortbildung in französischen Seealpen. Am letzten Tag unseres Lehrgangs in Saint Auban freuten wir uns alle auf einen letzten Flug in dieser einzigartigen Landschaft.

Hinkelsteine bei St. Auban

Beim morgendlichen Briefing durch einen französischen Fluglehrer wurde uns gute Wolkenthermik mit Basis in 3000 m MSL versprochen. Bei der anschließenden Gruppenbesprechung planten wir einen Flug im Dreierteam mit zwei Libellen und mir in einer Ls4. Schnell hatten wir alle Flieger aufgerüstet und an den Start geschoben. Zuerst starteten die österreichischen Junioren, dann die beiden Libellen und anschließend ich. Leider verzögerte sich mein F-Schlepp, so dass ich erst eine halbe Stunde nach den beiden Libellen in die Luft kam und sie erst 20km nördlich am Ende der Vaumuse einholen konnte. Der erste Wendepunkt sollte St. Crepin werden. Bisher waren wir ohne Trainer noch nie so weit in die hohen Berge vorgedrungen.

Schneebedeckte Berge

Der Hinweg klappte auf dem klassischen Weg über den Parcours, den Morgon und den Guillaume ohne Probleme, so dass wir den Flugplatz St. Crepin nach ca. 1,5 h Flugzeit umrundet hatten. Während des Rückflugs Richtung Süden entschieden wir uns auf Höhe des Blayeul ein zweites Mal Richtung St. Crepin zu fliegen. Es war ja noch relativ früh am Tag und über Funk wurden noch gute Bedingungen im Norden gemeldet. Da die Wolken am Parcours begannen sich auszuregnen, wollten wir dieses Mal die etwas westlichere Route über den Mt. Colombis versuchen. Diese Entscheidung hatte unerwartete Folgen. Wir hatten das Lee des Guillaume ziemlich unterschätzt. In der Annahme, dass wir dort so schnell Höhe tanken könnten wie 2 Stunden zuvor, flog eine der Libellen und ich in das konstante Saufen des Lees. Der Nordwind musste deutlich zugenommen haben. Die andere Libelle hatte sich währenddessen mit dem schwachen Steigen des vorherigen Bartes begnügt und ist dort langsam aber sicher weiter gestiegen.
Schnell fand ich mich zusammen mit der ersten Libelle in wenigen hundert Metern über Grund mitten im Tal des Lac de Serre Ponçon wieder. Laut meines Außenlandekataloges mussten das Feld Nr.32 „Les Crots“ und ein ehemaliger UL-Platz direkt unter uns sein. Also konnte ich mich voll auf das Suchen eines Aufwindes konzentrieren und brauchte mir keine Gedanken um das Erreichen eines sicheren Außenlandefeldes zu machen.

Ich in der Ls4

Der Pilot der Libelle fragte über Funk, ob ich eine Idee hätte, wo wir den nächsten Aufwind finden könnten. Leider musste ich dies verneinen. Ich bemerkte jedoch, dass mein Kollege ziemlich nervös wurde. Dies bestätigte auch sein Hinweis, dass er das Außenlandefeld nicht finden könne. Da ich das Feld inzwischen fest im Blick hatte, zögerte ich nicht lange und zog die Klappen. So konnte ich vor der etwas tiefer fliegenden Libelle landen, und um ihm so das sichere Feld markieren.

Das eigentliche Landen verlief ohne Probleme. Die Beschreibung des Feldes aus dem Außenlandekatalog passte sehr gut. Das Feld war etwa 300 m lang und ca. 40 m breit. Die einzigen Hindernise waren eine Telefonleitung und eine Straße vor dem Feld.
Nach dem Aufsetzen zog ich meinen Flieger sofort zur Seite, um Platz für die Libelle zu machen, welche ich ja jede Sekunde zur Landung erwartete. Über Funk informierte ich unsere Trainer und meinen beiden Teamkameraden über die problemlose Landung. Mein Leidensgenosse in der Libelle antwortete nur kurz, dass er schwaches Steigen an einem nahe gelegenen Hang gefunden hätte. Er würde sich erneut melden, sobald er wüsste ob das schwache Steigen reichen würde um noch einmal  Höhe zu bekommen.

Mein Acker

Die nächsten Minuten verbrachte ich damit den Flugplatz Saint Auban und meine Rückholerin über die Landung zu informieren. Nach dem Telefonieren schaute ich suchend in den Himmel um zu sehen, ob ich die mir bevorstehende Wartezeit alleine oder zusammen mit meinem Kollegen verbringen würde. Die Libelle zog jedoch noch immer ihre Achten am Hang und gewann dabei wohl auch etwas an Höhe. Etwa 30 Minuten nach meiner Landung auf dem Feld hatte sie dann genügend Höhe gewonnen, um sich zusammen mit dem inzwischen hinzugekommenen Trainer auf den Heimweg zu machen. Beide konnten 45 Minuten später in Saint Auban landen. Dort wartete auch schon der Pilot der zweiten Libelle der es noch gut nach Hause geschafft hatte.
Die Wartezeit auf meine Rückholer verbrachte ich damit, einmal zum Ufer des auf der anderen Straßenseite liegenden Lac de Serre Ponçon zu marschieren. Die anfängliche Idee ein erfrischendes Bad zu nehmen verwarf ich schnell wieder, nachdem ich die Temperatur des Sees gefühlt hatte. Bei dem Sonnenschein hatte ich wohl vergessen, dass es erst Anfang April war, und dass der See vom Wasser der Schneeschmelze in den Bergen gespeist wird.
Zurück beim Flugzeug wurde ich von einem französischen Gleitschirmflieger abgefangen. Er hatte am Straßenrand geparkt und fragte ob ich Hilfe bräuchte. Die konnte ich dankend ablehnen da meine Rückholer ja schon auf dem Weg waren. Nach kurzem Smalltalk über die Schönheit der Alpen und ihre guten thermischen Bedingungen führ er dann weiter.
Keine fünf Minuten später hielt erneut ein Auto am Straßenrand. Eine Frau kam grinsend auf mich zu. Nachdem ich auch ihr Hilfsangebot dankend ablehnen konnte, fragte sie mich danach wo ich denn gestartet sei. Als sie den Namen Saint Auban hörte, begann sie ganz aufgeregt an in schnellem Französisch zu erzählen. Davon habe ich natürlich kein Wort verstanden. Im zweiten Anlauf auf Englisch erfuhr ich zumindest soviel, dass ihr Mann Fluglehrer und Schlepppilot in Saint Auban sei. Anscheinend ist die Welt auch in Frankreich klein.
Der Rest der Geschichte ist eigentlich schnell erzählt. Meine beiden Rückholerinnen kamen kurze Zeit später und freuten sich, dass sie meine Landewiese dank des Navi schnell und auf dem kürzestem Weg (der über diverse enge Pässe und durch schmale Ortsdurchfahrten führte) gefunden hatten.
Glücklicherweise kamen wir noch rechtzeitig zum Essen wieder am Flugplatz in Saint Auban und konnten den Tag in geselliger Runde ausklingen lassen.

Die geflogene Strecke


IGC-Datei

Warstein, 29.08.2007, Maik Kühlenborg