Es war der erste Wertungstag der 14. Canitzer Streckenflugwoche und die Thermik war nicht gerade optimal vorhergesagt.
Die Aufgabe wurde daher auch entsprechend klein gewählt und betrug für die kleine Klasse maximal 207 km. Die ersten Kilometer ließen sich gut
zurücklegen und an der ersten Wende flog ich noch weit in die Wendetonne hinein, um die Strecke maximal auszureizen. Ein sicheres Beenden der
Aufgabe schien problemlos möglich zu sein. Kurz vor dem Erreichen der zweiten und letzten Wende meldete Canitz Segelflug, dass aus Richtung
Süden ein Gewitter im Anmarsch, und nur noch etwa 10 km vom Platz entfernt sei. Ich entschied mich dazu, die Aufgabe weiter zu fliegen, und
hoffte darauf, dass das Gewitter bis zu meiner Ankunft am Platz nach Norden abgezogen sein wird. Die zweite Wende kratzte ich nur noch kurz an
und nahm dann direkten Kurs zurück zum Canitzer Segelflugplatz. Mein Anflugrechner zeigte mir an, dass noch etwa 500 m Höhe zum sicheren
Erreichen des Platzes fehlten. Entlang des letzten Schenkels erwischte ich wieder 2 oder 3 halbwegs gute Bärte und war mir sicher, so den
Platz erreichen zu können. Im Funk hörte ich, dass sich immer mehr Piloten unserer Gruppe zur Außenlandung entschlossen. Ich war nur noch
etwa 30 km vom Platz entfernt und flog mit der Geschwindigkeit des besten Gleitens weiter. Der Anflugrechner zeigte an, dass mir noch
etwa 180 m Höhenreserve fehlten, die ich durch kleine schwache Bärte noch hinzugewinnen konnte. Etwa 8 km vor dem Segelflugplatz war
die Reserve jedoch wieder soweit geschrumpft, dass eine Außenlandung unvermeidlich schien. Ich flog bis an den Rand der Stadt Riesa heran,
die ich nur noch hätte überfliegen müssen um den Platz zu erreichen. Die Höhe reichte aber nicht mehr aus, so dass ich mich zur Landung auf
dem Rübenacker direkt am Ufer der Elbe entschloss. Die Landung war sanft und verlief vollkommen reibungslos. |
![]() Der Acker war optimal gewählt |
Kaum 10 min. nachdem ich die Flugleitung über meine Landung 5 km entfernt des Platzes zwischen der Elbe und der
B169 informiert hatte, erreichte mich das Gewitter. Ich setzte mich wieder in das Flugzeug und bereitete mich durch Festhalten der Ruder auf
ein mögliches Abheben meiner Club Libelle durch die starken Böen vor. Gerade in diesem Moment fuhr ein Streifenwagen der Polizei die B169
entlang und sah mich von der Straße aus in dem Flugzeug sitzen. Die Polizistin und ihr Kollege kamen zu mir gelaufen und erkundigten sich nach
meinem Gesundheitszustand. Durch das starke Pfeifen des Windes hindurch erklärte ich ihnen, das alles in bester Ordnung sei, und das es sich
hier um eine gezielte Außenlandung handelte. Da die Polizisten befürchteten, dass das Flugzeug auf die Straße geweht werden könnte, wollten sie,
dass ich das Flugzeug verlasse und mit ihnen zum Streifenwagen komme. Ich fühlte mich offen gesagt nicht gerade sehr wohl dabei mitten im
Gewitter, dessen Stärke man nicht absehen konnte, in meinem Segelflugzeug zu verbleiben und kam der Aufforderung nach. Andererseits fühlte
ich mich auch nicht wohl dabei, die Libelle ihrem Schicksal zu überlassen und fürchtete sie könnte ernsthaft beschädigt werden. Im Auto
angekommen, sperrte die Polizei die rechte Spur der zweispurigen Landstraße und informierte die Feuerwehr, die mein Flugzeug sichern sollte.
Die Feuerwehr kam auch nach wenigen Minuten mit 2 Autos und etwa 12 Mann auf dem Acker an und rannten auf das Feld. Das Gewitter war
inzwischen genau über uns, und nur wenige hundert Meter entfernt schlug der Blitz ein, was die Männer der Feuerwehr aber offensichtlich kalt
ließ. Unbeirrt schoben sie meine Libelle an die Straßenböschung und sicherten sie mit 2 Seilen an einem großen Verkehrsschild. Die Polizistin
hatte schreckliche Angst vor dem Gewitter und zuckte bei jedem Donnern zusammen. Ihr Kollege musste sie die ganze Zeit über beruhigen und
versuchte ihr zu erklären, warum sie im Auto sicher seien. Inzwischen kam noch mehr Polizei und ich wurde zu dem "Unfall" ausführlich
befragt. Ich machte mehrfach den Versuch, den Beamten zu erklären, dass es keinen Unfall gab, sondern es sich um eine gezielte Außenlandung
handelte, aber ich glaub das ist mir bis zum Schluss nicht gelungen. Übrigens gelang es auch dem Polizisten nicht seiner Kollegin den
faradayschen Käfig zu erklären und somit auch nicht sie zu beruhigen. Zwischendurch kamen noch zwei Notärzte, die sich über meine körperliche
Verfassung wunderten und unverrichteter Dinge wieder wegfuhren.
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![]() Ein Reporter war bereits kurz nach dem Feuerwehreinsatz vor Ort |
Das Gewitter dauerte keine 20 min, und ich war froh meine Libelle unbeschadet wieder von dem Verkehrsschild losbinden zu können. Ganz
in meiner Nähe war noch ein weiterer Segelflieger unserer Gruppe außengelandet. Er wurde von weiteren Polizisten vorbeigebracht, und musste
ebenfalls zu dem Vorfall Stellung beziehen. Auch er versuchte den Beamten die Alltäglichkeit einer solchen Landung zu erklären,
was aber ein hoffnungsloses Unterfangen blieb. An diesem
Wettbewerbstag konnten von 42 Flugzeugen nur 13 auf dem Canitzer Platz landen. Daher war dort natürlich die Hölle los, und es war nicht
leicht ausreichend viele Rückholer zu finden. Nach etwa 2 Stunden kamen zwei Kameraden mit meinem Hänger und die Polizei, die die
ganze Zeit mit mir gewartet hatte, sperrte zum Abbauen beide Spuren der Bundesstraße. Zurück am Platz wusste schon fast jeder,
welch einen Großeinsatz ich ausgelöst hatte. Im Radio kam sogar die Meldung, ich sei abgestürzt, was von Lutz, dem Flugleiter des Tages,
sofort dementiert wurde. Am nächsten Tag schaffte ich es auf die Titelseite des Lokalteils der Sächsischen Zeitung. Als ich
etwa 10 Tage später wieder zuhause ankam, fand ich von der Feuerwehr eine Rechnung in Höhe von 270 Euro vor, die glücklicherweise meine
Versicherung übernahm. Die Bilanz der Außenlandung: ca. 10 Polizisten, ca. 12 Feuerwehrmänner, 2 Notärzte samt Helfer und eine Rechnung
über 270 Euro. Das war sicher die aufwändigste und teuerste Außenlandung des Jahres. |
![]() Die geflogene Strecke |
Ich wünsche euch allen eine schöne restliche Saisson Dirk Jung |