Flug ins Mittelalter

Von Markus Wagner

 

Wir schreiben das Jahr 2006 und eine der schlechtesten Wetterperioden des Jahres wollten wir für das Hohenloher Vergleichsfliegen, welches in diesem Jahr in Niederstetten stattfand, nutzen. Nachdem der Wettbewerb total ins Wasser gefallen war (gerade mal ein „Wertungstag“ mit einer Maximalstrecke von 60 km) machten wir uns am letzten Tag, den 28.05.06 auf, um an der Siegerehrung teilzunehmen oder auch um einen letzten Wertungstag herauszukitzeln. Also die LS 8 abgebaut und mit dem Hänger die 60 km von Walldürn nach Niederstetten gefahren, um den Ausführungen des Meteorologen zu lauschen der verkündete, dass das Wetter sehr schwierig und wegen dem starken Wind nur schwer nutzbar sein würde. Der Wettbewerbsleiter entschied dann, den Wettbewerb zu beenden um keinen Flugzeugweitwurf zu veranstalten. Das Walldürner Team mit drei Piloten war da aber anderer Meinung und hängte die Flieger wieder an: Ziel war Walldürn, um von dort aus für die Bundesliga zu fliegen. Um 13 Uhr dort angekommen rüsteten wir schell alle Flieger auf um zügig in die Luft zu kommen und ich startete als erster um 14:08 zu meinem Bundesligaflug der mich zurück ins Mittelalter katapultieren sollte. Und es war so wie der Meteorologe vorhergesagt hatte: Schwierige Bedingungen und zerblasenes Steigen das sehr schwer zentrierbar war herrschte vor, sodass die Doppelsitzerbesatzung im neuen DUOxt zweimal den Motor schmeißen musste. Aber trotzdem versuchte ich das beste aus dem Tag zu machen und es wurde dann auch noch ein spannender Flug. So kam ich dann irgendwann um 16 Uhr an eine Wolkenstraße, die sich über 50 km nach Osten erstreckte und das war die Chance die ich für die Bundesliga nutzen wollte. Also Kurs 090 und ab nach Niederstetten, wohin mich die Wolkenstraße schließlich führte.

 

Bild 1: Ich in der LS 8 unter der Wolkenstraße

 
 

 

 

 


Kurz über Funk unserem verwunderten Wettbewerbsleiter bescheid gesagt, dass es doch möglich war heute zu fliegen und nach weiteren Kilometern machte ich mich auf Grund der vorangeschrittenen Zeit auch schon wieder auf den Heimflug bei 35 km/h Gegenwind…. Zum Glück stand die Wolkenstraße noch da, nur hatte sich kurstechnisch südlicher gewandt und stand nicht mehr in direkter Linie zum Heimkurs, aber dennoch die beste Möglichkeit um schnell vorwärts zu kommen. Irgendwann war diese dann allerdings auch vorbei und ich versuchte in 20km Entfernung zum Platz noch irgendwo etwas Steigen aufzutreiben, doch das war leider nicht mehr möglich sodass ich meine Höhe nutzte um in Richtung Heimat zu gleiten. Doch der Endanflugrechner meinte es nicht gut mit mir und zeigte 200m Minus an. Also eine Außenlandung auf einem großen Acker bei Osterburken.

 

 

Bild 2: Die LS8 auf dem Acker… Im Hintergrund „Adventon“

 

 

 

Alles klappte auch ganz hervorragend doch nach dem ausrollen kam dann schließlich eine Abordnung mittelalterlich gekleideter Menschen, ich würde sagen eine Patrouille, die mit Hellebarden, Schwertern und Armbrüsten bewaffnet waren, auf mich zu und fragten mich, was ich hier mache. Ich antwortete ihnen, dass ich gezwungen war eine Außenlandung zu machen und deswegen hier landen musste und fragte meinerseits in welcher Zeit ich denn hier gelandet wäre?!? woraufhin mit begegnet wurde, dass ich auf dem Gebiet des Histotainment Parks Adventon gelandet wäre. Dort versucht eine Gruppe von Mittelalterliebhabern das Leben im Mittelalters darzustellen.

Ich war dann schon einigermaßen baff und nachdem ich meine Rückholer informiert hatte, eskortierten sie mich in das nahegelegene Gehöft um mit ihnen an einem zünftigen Rittermahl teilzunehmen und mir den Park zu zeigen. Dort angekommen tauchte ich in eine völlig andere Welt ein: Marktleute, Schmiede, Wagenbauer, Waffenschule, und andere sehenswerte mittelalterliche Berufe zeigten ihr Handwerk und machten Vorführungen.

Bilder von Histotainmentpark Adventon….

 
  Kinder

 

Die Leute des Histotainment Parks hatten es geschafft das Mittelalter in unsere Zeit zu transportieren. Nach dem ich mich von meiner Leibgarde verabschiedet hatte wartete ich noch auf meine Rückholer, die dann auch bald eintrafen und verwundert über die Brote staunten, die ich für sie organisiert hatte… Nachdem wir uns gestärkt hatten und die LS8 verstaut hatten fuhren wir dann wieder nach Walldürn um heute zum dritten Mal  aufzubauen… Vielleicht war ja morgen wieder Wetter (man weiß ja nie). Müde aber zufrieden ließen wir den Abend mit Billard spielen ausklingen und freuten uns über einen schönen und spannenden aber vor allen Dingen so nicht erwarten Flugtag. Und auch für die Bundesliga hatte sich der Aufwand gelohnt: Als Achter holten wir 13 Punkte nach Walldürn, weil die meisten Vereine nicht daran gedacht hatten zu fliegen. Als Fazit bleibt zu sagen, dass ich diesen Flug ohne die Bundesliga nie gemacht hätte und das deswegen diese innovative Einrichtung eine super Sache ist, bei der man zwar nicht unbedingt zu langen aber interessanten Flügen kommt.

 

Hier noch mein Flugweg und Baro:

 

 

 

Bis irgendwann in der Luft oder bei den Kühen….

 

Markus Wagner