Spektakuläre Außenlandung(en) zu Fünft


Da ich nun das 2. Jahr meine Lizenz hatte, wollte ich auch endlich mal selbst Pilot bei einem Wettbewerb sein, denn bisher war ich immer nur Helfer. Und da sich der Mai anbot (die schriftlichen Abiturprüfungen waren da schon vorbei), genau wie die läppischen 100km Entfernung zum bekannten Flugplatz Schönebeck (EDOZ), fuhr ich zum Elbe-Saale-Pokal (der Erste Elbe-Saale-Pokal).

DG 100 D-3456 'O1' Unser Vereinsflugzeug DG 100 D-3456 'O1'

Der erste Wettbewerbstag, ein Sonntag, begann mit sehr durchwachsenem Wetter. Nachts war es sehr kalt (das führte auch zu einer Anschaffung eines Heizlüfters) und es hat auch oft geregnet. Es ging ein leichter Wind und die Sonne strahlte auf den feuchten Boden. Es entwickelte schon früh und entsprechend stark, jedoch war die Basis noch tief. Auch breiteten sich die Wolken sehr schnell aus. Ich stand in der 3. Startreihe und durfte unser Vereinsflugzeug, eine DG 100 (D-3456, WBK: O1) zum ersten Mal dieses Jahr fliegen (aber ich hatte genug Übung darauf, bin schließlich auch 2004 viel damit geflogen).

Startaufbau am 1. Wettbewerbstag Der Startaufbau am 1. Wettbewerbstag.

Der Start verlief problemlos und auch fand ich, wie die meisten anderen Piloten, sehr schnell etwas Thermik. Sie war nicht stark, aber gleichmäßig. So kämpften ich mich auf 1000m, teilweise auch 1100m über Grund und ich flog gleich nach Abflugfreigabe ab. An meiner Seite befanden sich nicht viele Flugzeuge, aber ich wusste, dass sie nicht weit hinter oder vor mir sein konnten. Nach ca. 250m abgeglittener Höhe und schon 3 Wolken, die zwar gut aussahen, aber keine Höhe gebracht hatten, habe ich die Fahrt etwas zurückgenommen und weiter nach guten Wolken Ausschau gehalten. Sie standen doch überall!
Fast jede Wolke, die ich anflog, hatte ein wenig steigen, aber es war nicht zentrierbar und bracht im Durchschnitt auch kein Gesamtsteigen. Nur eine hat mir unterwegs mal 200m gebracht. Nach weiteren 600m verlorener Höhe und ca. 30km zurückgelegter Strecke war ich auf ein relativ gutes Außenlandefeld gestoßen. Die Sonne schien kaum noch auf den (etwas feuchten) Boden, aber ich versuchte, einen schwachen Bart zu zentrieren. Plötzlich stieß ca. 50m unter mir ein Flugzeug in meinen Kreis und versuchte das gleiche wie ich. Ich erkannte die Magdeburger DG 300, die auch am Wettbewerb teilnahm. Nach 2 Kreisen machte er sich zum selben Acker zur Landung, den ich auch nehmen wollte. Nach weiteren 2 Kreisen landete ich auch dort nach insgesamt 1 Stunde und 8 Minuten Flugzeit. Da der Acker noch etwas feucht war, war mein Rollweg entsprechend kurz und mein Flugzeug sehr dreckig, aber zu Bruch ging nichts. Der Kartoffelacker war eigentlich perfekt!

Nachdem ich zu dem Piloten der DG 300 gelaufen war, landete auch schon der Dritte aus dem Starterfeld der Clubklasse, nämlich ein Standard Cirrus. Wir hatten auch schon Besuch von etwa 5 Kindern des Nachbardorfes bekommen, die sich aber nicht an die Flugzeuge herantrauten. Aber ihre Eltern waren ja auf dem Weg zum Feld und ca. 10min später da. Sie halfen uns, die versunkenen Flugzeuge vom Acker bis zur Straße zu ziehen. Außerdem erklärten Sie den Weg zum Feld, den die Rückholer nehmen konnten und Sie sagten uns genau, wo wir waren: in Athensleben. Nachdem wir den Cirrus und die DG 300 an der Straße hatten, riefen uns die Kinder zu, dass ein weiteres Flugzeug landen würde. Am Himmel waren 2 ASW 20 zu erkennen, die zum Starterfeld der Gemischten Klasse gehörten. Keine 2 Minuten später landeten sie auch auf unserem Feld und noch während ich meinem Rückholer letzte Ortsangaben machte, sagte ich ihm schon, dass die zweite ASW 20 außenlanden wird. Ihr Rückholer wusste noch vor der Außenlandung Bescheid, wo er hinfahren musste. Alle 5 Rückholer machten sich nun als Kolonne auf den Weg zum ca. 32km entfernten Außenlandeacker, während wir die noch verbliebenen 3 Flugzeuge vom Acker zogen. Auch der Besitzer der Kartoffelacker tauchte mittlerweile auf und wir gaben ihm unsere Versicherungsdaten und beruhigten ihn so. Nach ca. 45min trafen dann unsere Rückholer ein und wir beeilten uns mit dem Abrüsten, da nicht weit entfernt schon ein Gewitter stand, dass uns dann auch noch beim abrüsten erwischte. Aber die Flugzeuge waren sowieso saudreckig und mussten entweder noch am selben Abend oder am nächsten Morgen gründlich gereinigt werden. Auf dem Rückweg vom Feld haben wir uns dann von den anderen 4 Piloten getrennt, da wir eine Kneipe suchten, um uns zu stärken.

Abrüsten auf dem Acker Alle 5 Flieger stehen am Rand des Ackers. Es wird mit dem Abrüsten begonnen.

Der Tag wurde ganz knapp wertbar gemacht, da ein Pilot erst gar nicht angetreten ist. Ich wurde (mit den 2 anderen auf meinem Acker) 7. an diesem Tag.
Die Gemischte Klasse bekam keine Wertung. Es waren alle Piloten recht früh außengelandet.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass es ein verrückter Flug war. Es war mein erster Wettbewerbsflug, mein erster Streckenflug 2005, mein erster Flug 2005 auf der DG 100 und meine erste Rückholtour mit meinem eigenen Auto.

Aber: Es hat sehr viel Spaß gemacht :-)


Viele Grüße und Dank gehen an:
  • meinen Vater, der gleichzeitig Rückholer und Helfer war
  • unseren Vereinsmeteorologen Uwe Nitz , der immer wieder Scherze machte und mich auch so wieder aufbaute
  • Uwes Helfer Michaela und Laura für die netten Abende und die Hilfe beim Aufrüsten etc. (und für das gute Essen bei der LM :-) )
  • den gesamten Schönebecker Verein für die gute Durchführung und die Unterstützung zum Heidepokal (Jantar 'DK')