Eltern sollten auch wissen, wie man so eine Außenlandung macht

EDFZ è Acker@Irmgard

 

 

Ich hatte im Oktober 2003 endlich meine praktische Prüfung für den PPL-C gemacht, und war froh, endlich mal Eltern und Freunde im Segler mitzunehmen. Doch der Schein war erst so spät im Briefkasten, dass ich ihn erst in diesem Jahr benutzen konnte.

Es war der 12.04.04, an dem ich am späten Nachmittag 1410 UTC meinen Vater in die ASK21 des LFV-Mainz mit dem Kennzeichen D-5721 einbaute. Wir hatten einen guten Start, denn an diesem Tag standen bestimmt 10kt -13kt Ostwind auf  der 08-Gras und ich fand sofort einen 3-Meter-Bart! Super, dachte ich. Wenn das noch so brüllt, kann ich ja mal meinem Vater den Rheingau von oben zeigen. Beste Sicht und Blauer Himmel waren perfekt dazu geeignet. Wir waren ziemlich schnell nach Westen voran gekommen, was ja auch kein Wunder war. 15 Minuten später, auf 1000m über Platz (!!!), bei dem 20km entferntem Langenlonsheim angekommen, fand ich absolut keine Thermik mehr. Dabei waren doch die vorherigen 15 Minuten solche Brüller auf der Strecke L

 Ich machte eine 180°-Kursänderung und war sofort gestresst. Adrenalin wurde in meine Adern gepumpt, denn ich sah sofort, dass Pi mal Daumen mal Gegenwind mal Entfernung zum Heimatplatz nicht mit dem Erwünschten übereinstimmten. Der Flugplatz wanderte nämlich schneller nach oben, als ich dem Platz näher kam. Ich konnte sofort erkennen, wenn du jetzt nix mehr kriegst, dann kannst du die Landung in EDFZ vergessen!

Und wie das nun mal so ist: Wenn man de Teufel nennt, kommt er gerennt! Und auf der ganzen Rückflugstrecke nur saufen, saufen, saufen. Auch an den Stellen, an denen ich meinen Vater und mich so erfolgreich hochgeschraubt hatte. Und schon bescherte mir die 21 nur noch einen Gleitverhältnis von 1:10, oder 1:Stein, also „Röhnstein“ J

Langsam aber sicher, musste ich meinem Vater klar machen, was jetzt das Problem ist, und wie ich gedenke, dieses zu lösen: Wenn ich nichts mehr finde, und wir unter 300m kommen, müssen wir in den Acker gehen. Doch mein Vater blieb wirklich gelassen und behielt die Fassung mit Anstand und vertraute mir.

Ein Kollege, hatte mir einmal von unserer G-109 eine große ebene Erhebung bei Ingelheim empfohlen. Diese sei sehr beliebt zum Außenlanden. Man hat alle möglichen Felder, sucht sich früh genug das geeignetste heraus, man braucht keine Angst vor Hochspannungsleitungen zu haben und der Rückholer hat keine Probleme. Diese Erhebung liegt genau unter der Grenze von Luftraum C 3500 MSL zu Luftraum C 4500 MSL. An der Stelle steht die Irmgard von Opel, ein Opel-Gestüt.

Dieser Punkt ist also ein markanter Punkt: kurz: Irmgard. Auch ich hatte meinen Entschluss schon gefasst. Falls es zu einer Ackerlandung kommt, dann die Irmgard. Es sollte auch meine erste Ackerlandung werden, und dann noch ausgerechnet mit meinem Vater, der zum ersten mal bei mir mitflog...

Die Irmgard hat auch die selbe Höhe MSL wie der Flugplatz. Als ich nun in 200m Höhe über der Irmgard ankam, erhoffte ich mir noch ein wenig Hangauftrieb, doch der war nicht zu kriegen und ich sank langsam aber sicher im Kreisflug weiter. Auch die beiden Bussarde  konnten mir nicht konkrete Thermik markieren. In 120m über Acker sagte mein Vater dann: „Och, schau mal, die Leute gucken ja schon nach uns.“ Ja, das taten die vielen Spaziergänger, die am Ostermontag Zeuge dieser spektakulären Außenlandung waren. Kaum war dieser Satz von meinem Vater gesprochen, sagte ich: „Ja, die sollen ruhig weiter schauen, ich lande nämlich jetzt!“

So, aus dem Kreisen raus und rum, Kurs 360°. Klappen raus, und landen. Vorsichtig abfangen, denn der Acker ist bestimmt sehr weich. Das Spornrad sitz, innerhalb weniger Hundertstel gefolgt von dem Hauptrad. Doch es rollt noch ganz gut, trotz der überaus ungewohnten Bremskraft durch den Acker.

Also betätigte ich die Radbremse und stand genau 5m vor dem Feldweg, der dann für den Rückholer geplant war. Um 1448 UTC waren wir w gelandet und wohl auf.

 

Haube auf und Luft holen: „Scheiße!“, war mein erstes Wort, das ich herausbrachte, doch dann fing ich an zu lachen, und mein Vater fing ebenfalls an, leicht schadenfroh zu grinsen. Ich entschuldigte mich bei ihm dafür, dass er gleich beim ersten Mitflug bei seinem Ältesten den Acker kennen lernen musste. Mir war das auch absolut peinlich!

Dann waren da auch die Spaziergänger die uns schmunzelnd grüßten. Einer musste natürlich noch was kluges fragen: „Das war jetzt nicht geplant, oder?“ Doch! Natürlich war das geplant!!........:-/

 

 

 

 

 

Ich rief dann bei meiner Mutter auf dem Handy an, die auf dem Flugplatz schon auf uns wartete. Doch sie war keineswegs verwundert, das ich, der ja eigentlich ein Flugzeug steuern sollte, plötzlich auch per Handy telefonierte. Sie fragte wie es denn so geht usw.... ich bat sie dann, mir irgend jemanden vom Verein zu geben, dem ich dann bescheid sagen konnte, was mir widerfahren ist. Nach einem ironischem „Na dann, herzlichen Glückwunsch!“ beschrieb ich, wo genau ich gelandet bin. Danach hieß es warten und warten........

Einige Leute, die bei uns hielten, erzählten meinem Vater und mir von anderen Segelflugzeugen, die hier schon gelandet seien. Auch der Verwalter kannte die lustige Geschichte von dem Kranich, der letztes Jahr mit pfeifenden Klappen und einer riesigen Staubwolke in ein Maisfeld o.ä. gelandet war, und dabei noch unmöglicher Weise einen Ringelpietz gemacht hat.

Außerdem kamen nach einiger Zeit unsere 3 oder 4 Streckenflieger zurück, alle in einer Kette und alle mussten sie natürlich die 21 von oben aus betrachten Und flogen genau über uns hinweg. Ich erklärte darauf hin meinem Vater, das diese Segler Hochleistungssegler seien, und aufgrund ihrer verbesserten Bauweise gegenüber der 21 jetzt noch bis nach Mainz-Finthen kommen. Und über der Mainzer Frequenz hörte man auch ein paar Motorflieger, die nachträglich und auch überflüssig den Segelflugstart informierten, dass da ein Segler im Acker liegt.

 

Derweil kreiste unser Duo noch ein paar mal über dem Außenlandefeld, der sogar erst nach meiner Landung in Finthen gestartet ist, nur um mich zu begutachten. Peinlich, peinlich, aber auch lustig. Lustig auch für mich und alle abwesenden. Denn mein Bruder lief dann auf dem Flugplatz zu jeder und jedem und übermittelte schadenfroh: „Meine halbe Familie ist außengelandet.“ J

 

Als dann endlich der Rückholer kam, wurde ich mit grinsenden Gesichtern und einem „Na du Kaiser!“ begrüßt. Wir machten uns dann sofort an die Arbeit, und hatten kaum Probleme die 21 in den Umrüstbahren Duo-Hänger zu befördern.

 

Übrigens, mein Vater setzt sich trotz der kleinen Panne noch zu mir ins Flugzeug J

 

Zu Hause angekommen, freute sich dann jeder auf ein kühles Blondes, das ja von mir gesponsert wurde!

 

In diesem Sinne, Prost! und weiterhin gute und erfolgreiche (Außen)Landungen!