Aus dem Mitgliederforum des LSV Goch...

Gedanken eines Rückholers....

Jaja, das war ne lustige Tour... nach Melle...
Dem wohl am weitesten von Goch entfernten Ort von Simons gottverdammten Dreieck !!
Während der endlos langen Fahrt über mehr als hundert Kilometer Landstrasse und fünf Autobahnen begleitete uns die untergehende Abendsonne und warf lange Schatten auf den Asphalt. Kam doch vorerst nur aus der AirCondition ein laues Lüftchen, konnte man nun sogar Frischluft direkt via offenes Fenster beziehen, portofrei!
Die letzten zarten Cumuli im Dienste der Abend-Thermik... ...aus dem UKW-Volksempfänger wimmert R.Kelly "I belive I can flyyyy..." Purer Hohn, ja Spott, aus der Feder einer rachsüchtigen Natur??
Ankunft im Zielgebiet, Autobahnabfahrt irgendwo zwischen Osnabrück und Bielefeld... es erstrecken sich Ortschaften in denen die Zeit seit Robin Hood angehalten zu sein scheint... nur die kleinen Geschäfte mit aushängenden DM-Preisen repräsentieren den florierenden Einzelhandel einer demokratischen Zivilisation
Der 1,9er Diesel zergelt mit anmutigem Röhren das Transportmittel für die moderne "Vereins-High-Tech-Rakete" durch die Abend-Idylle Niedersachsens. Schnelle linksbergauf, Haarnadel rechts abwärts...
Navigator LimaVictorHotel bedient sich sicher der Orientierungsshilfen von Herrn Falk und Mr. Mannesmann. Per Dosentelefon mit dem Gestrandeten verbunden, finden wir ihn... den Acker des Tages, Symbol der Fruchtbarkeit? Anmutig ruht die Glasfaser-Karbon-Konstruktion wie ein Mahnmal auf dieser noch von der Sonne bestrahlten Anhöhe... "Take.. this broken wings" - Das Radio ist uns nicht gesinnt
Die Bewohner der waldigen Gegend umso mehr!
Kaum angekommen, werden wir bestens versorgt: Wein, Weib und Gesang !
Naja, also zumindest Grillwurst und Kartoffelsalat;)
Im gemütlichen Garten der freundlichen Bauernfamilie sind wir sehr willkommen...Wo war eigentlich des Bauerns Tochter? Aus anfänglicher Bescheidenheit, Gedanken an Ernährungsplan und Strandfigur wird ein ansehnliches Mahl mit "Versack - Potenzial".
Zünftig genährt, begleitet vom dämmernden Licht, räumen wir sprichwörtlich das Feld, machen ein Kreuz auf die ICAO-Karte... hier ist's gut... nicht die Thermik... aber die Verpflegung
Der Weg über spartanisch bewachsene Landwirtschafts-Versorgungs-Linien, vorbei an "Eingeborenen" die vor Ihren Häusern dem Genuss von kühlem Gerstensaft fröhnen... Ein Königreich für "frei am nächsten Tag" und "Zelt dabei"... merken für's nächste Mal!
Eine Tankfüllung später, fest in den Händen der Zivilisation, irgendwo auf der B57... vor uns rollt ein Tanklaster... ein Zeichen??
Der Wieder-Erkennungswert der Ortschaften steigt proportional zur zurückgelegten Strecke... Dorsten.. Wesel... Xanten... die Heimat ruft immer lauter. Schade, das der Logger schon ausgebaut ist... 80 ist doch ein guter Schnitt... für Abends um elf...
War echt ein netter Kurzurlaub! 420 Kilometer, 30 Liter Diesel, 1 kg Reifenkautschuk... 7 Stunden, drei Flaschen Wasser, vier Würstchen und ne Pulle Deo
Nur ein Zelt, das hat gefehlt!
To be continued...

Gruß
Christian

...und die Reaktion des Piloten:

So ist es!
Und wie schön es war!
Am Anfang, da ärgert man sich ja noch... Weit und breit niemand zu sehen, ein ruhiges Bauernhaus mit 2 frechen Kindern die in einem aufblasbaren Swimmingpool mit dreckigem Wasser planschen (selbst da war ich bei 30°C neidisch drauf..) und ein etwas "grummeliger" aber freundlicher Bauer (Zitat1: Wie du bist bei mir aufm Feld gelandet???) der mir nachher doch noch geholfen hat (Zitat2(auf die Frage, ob er eine Autobahnkarte zwecks Wegbeschreibung habe): Du hast doch ne Karte in der Hand...)
Nachdem ich 1,5 Std. im Schatten der Villa "HierstinktsnachGülle" residerte und die Kinder mir tierisch auf die Nerven gingen trieb mich mein Weg wieder zum Flugzeug, wo es auch nicht lange dauerte und auf einmal 8 Leute um mich rumstanden... (warum alle das Flugzeug erst nach 1,5 Std. gesehen haben versteh ich jetzt noch nicht...).
So wurde ich auch sogleich mit Angeboten für Kaltgetränke überhäuft (ist doch sicher warm im Flugzeug, haben sie keinen Durst??).
Bescheiden wie ich bin, habe ich die Einladung zum Grillen angenommen mit dem Beisatz: Essen will ich eigentlich nix, aber wenn sie kühles Pils da haben komm ich gerne mit!
Und so war es dann, aller feinstes kühles Warsteiner in 0,33 Kanülen ließen mich die Schmach meiner Außenlandung schnell vergessen und das saftige Steak (was ich dann doch angenommen habe) schmeckte hervorragend (Der Grillmeister Fred gab mir das erste, schönste, leckerste Stück denn: Der Pilot bekommt zuerst!)
Mitten in der gemütlichen Runde kam dann das FoxtrottVictorHotel Team, und das wo ich mein Würstchen noch nicht aufhatte... Aber kein Problem, es wurde von der äußerst freundlichen Hausbesitzerin direkt noch 2 Teller dazugestellt und nach anfänglichem: Nee, muss nicht sein, wir haben kein Hunger, ne wirklich nicht, ja ok, ein wenig ess ich dann noch, ja ok, ein würstchen nehm ich dann noch, oh ja, danke für das kotlett usw....
Fazit: Was fehlte? Ganz klar, zuerst die Thermik, dann um mich heimisch zu fühlen, ausrastende holländische Bauern die wildgewordene Kühe einfangen müssen weil ich mit dem Flugzeug so laut gelandet bin... und zu guter letzt: Eine schöne Bäuerin (leider war nur ein Sohn in meinem Alter da; für 'nen schwulen Piloten wärs ne perfekte Außenlandung gewesen...)
Ein schöner Tag mit der Einsicht: Das nächste Mal den Tag nachher frei nehmen, für die Rückholtour 'nen Zelt mitnehmen und möglichst in der Nähe einer Kneipe aufstellen :o)

Ach ja, echt schade das ich nur 3 km vom Teuto entlang fliegen konnte... Dafür meine erste Außenlandung (in Niedersachsen) mit der immer so beschriebenen "Außenlande Romantik"

Simon


Zur Dokumentation:
igc: 361a0aj2.igc