Es war wieder einmal ein Aussenlandung.

Voller Enthusiasmus hab ich schon am Vorabend meinen Flug vorbereitet: Da ich auf ein Vereinsflugzeug angewiesen bin, suchte ich schon Freitag Logger samt Halterung, Bordpapiere und persönliche Kleinigkeiten wie Trinksack, warme Socken etc. zusammen. Noch ein Blick bei www.wetter.com riskiert und früh zum Leistungsschlaf – nichts kann mehr schief gehen, endlich geht’s auf Strecke!

Am frühen Samstag morgen scheint die Welt auch noch in Ordnung: Beim Briefing wird mir „meine“ 89 zugeteilt, auch ein Rückholer ist für den Notfall schnell organisiert. Wir tüffteln Strecken aus und sind uns schnell einig – bei dem Wetter sollten 400 km drin sein. Mutig tanke ich die LS4 mit 80 Litern Wasser voll und schiebe an den Start. Nur noch die Aufgabe programmieren, dann kann es los gehen ...aber komischerweise sind keine Wendepunkte mehr auf dem Logger! Ein lieber Fliegerkamerad hilft mir und nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem PC hab ich alles auf dem Logger, was ich brauche.

Die anderen sind natürlich schon wieder unterwegs, als ich starte, und ich höre über Funk, dass die Basis derzeit nur bis 600 m hochreicht. Mir egal – ich will los, die Basis wird schon ansteigen, denk ich mir. Und so wird nur noch mal kurz der Windenfahrer informiert, dass ich Wasser in den Flächen hab – was ihn aber nicht daran hindert, den erst so schön beginnenden Schlepp einfach zu beenden und so klinke ich in 200 m aus .... reicht grad, um nach einem Kreis die Hähne aufzureißen und wieder zu landen. Beim Ausrollen wird ich wach – eine Fläche lässt das Wasser nur sehr zögerlich raus und so muß ich lange warten, bis beide Flächen leer sind und ich wieder starten kann.

Der zweite Versuch belohnt mich mit einem paradisieschem Schlepp und einem braucbaren Bart – gleich bin ich mutig und fliege bei 800 m ab, mehr ist zu der Uhrzeit einfach noch nicht drin. Mit dem Wind auf der Nase geht los Richtung Rotenburg/ Wümme. Kurze Zeit später finde ich mich in 300 m wieder und kann gar nicht glauben, dass ich nach so kurzer Zeit schon wieder unten sein soll....mühseelig quäle ich mich wieder auf 650 m hoch und atme erleichtert auf. Jetzt werde ich erst mal etwas vorsichtiger, obwohl die Wolken toll aussehen, aber es scheint wie verhext, keine davon zieht! Jetzt geht’s schnell, an Rotenburg Flugplatz bin ich vorbei, auch die anderen Plätze liegen alle 16 – 18 km weit weg. Da hilft nichts, ein Acker muß her! Unter mir nichts als gähnende Leere; nicht mal ein richtiges Dorf in der Nähe, nur Acker, Wiesen, ein paar Häuschen und eine kaum befahrene Strasse. Aber nutzt alles nichts – der Acker unter mir ist gut und zugänglich: Gurte anziehen, alles verstauen, Rad raus, Klappen raus und runter. Die Landung ist sauber und ordentlich, nur hab ich keine Ahnung, wo genau ich stecke. Ich rufe auf dem Flugplatz an, gebe Koordinaten und Entfernungen und Richtung zu den umliegenden Plätzen an. Mit Zirkeln und Lineal messen die anderen aus, wo sie mich vermuten und ich laufe die Strasse entlang und kann bestätigen: 39,9 km weit bin ich gekommen und liege in Moordorf/ Hemslingen.


Meiner Rechnung nach brauchen meine Rückholer nicht mehr als 1,5 Std. um zu mir zu gelangen. So gehe ich die Strasse auf und ab – hier ist der Hund begraben! Nach 1 Std. hält ein Trecker an, ein netter Herr spricht mich an und bietet mir seine Hilfe an. Die Hoffnung, er würde mich an den Rand des Ackers ziehen, weil dieser doch sehr weich ist, nimmt er mir sofort – der Acker gehört seinem Nachbarn und den frischen Mais sollte niemand mehr befahren. Allerdings weist er mir den Weg zu einem Bauernhof, wo heute Flohmarkt ist. Er beschreibt mir seine Frau, von der ich mir Kaffe und Kuchen abholen soll. Sputen müsse ich mich allerdings, weil um 16 Uhr die Veranstaltung zu Ende ist. Ich erzähle ihm, dass ich noch auf meine Rückholer warte und gleich nach dem Abrüsten zu seiner Frau gehen werde – meine Mannschaft müsste ja gleich kommen. Wieder an der Strasse zurück, kommt ein Eiswagen mit Gebimmel an mir vorbei. Er hält sogar an, wie er mich so am Strassenrand sitzen sieht und fragt, ob ich ein Eis möge – mein Portemonaie liegt natürlich im Flugzeug. Ohne weiter zu fragen, drückt er mir ein Waffel mit einem Kügelchen in die Hand und verschwindet bimmelnderweise wieder. Schleckenderweise mache ich mir so langsam Sorgen um meine Mannschaft, schließlich fahren sie das erste Mal auf eine Rückholtour. Da klingelt auch schon das Telefon und die Jungs fragen mich nach den Hängerpapieren. Auf mein entrüstetes :“Wo steckt ihr denn überhaupt?“ kommt als Antwort :“Wir wollen jetzt los, wir mussten ja noch fliegen und anhängen und so.....!“. Geknickt setz ich mich wieder an den Straßenrand und setze erst mal gelangweilt sämtliche Freunde in Kenntnis über meine missliche Lage. Inet_k ruft auch sofort an, um mich zu trösten und so vergeht ein wenig die Zeit.

Der Rest ist genauso schnell erzählt wie der Flug.....

Nach weiteren 1,5 Std. kommt meine Mannschaft und wir schaffen es tatsächlich gemeinsam, die LS4 aus dem weichen, sandigen Acker an den Rand zu schaffen. Zwei ältere Herren gesellen sich noch dazu, um uns was über Thermik und Nicht-Thermik zu erzählen; wir rüsten unbeirrt ab.


Auf der Rückfahrt halten wir stilgerecht an einem Imbiß an, um uns zu stärken. Ein paar Kilometer weiter treffen wir unseren „9T“-Anhänger – er muß noch ganz bis Uelzen. Als „9T“ zurück kommt, haben wir schon geputzt, zusammengesteckt und abgeklebt – dafür bin ich auch nur ein 10tel seiner Strecke geflogen.

Man kann nicht alles haben , oder?