In den Bergen fliegt man tiefer als man denkt – Teil II

2 Tage waren seit meiner denkwürdigen Außenlandung verstrichen. Trotz meines erhöhten Respekts gegenüber der Bergwelt verflog meine Skepsis schnell, denn das Wetter blieb weiterhin rekordverdächtig.

Es stellte sich heraus, daß mein letzter Außenlandeplatz inmitten einer der größeren Skigebiete – der Skischaukel Dorfgastein-Großarl – lag. Der Gedanke an eine Segelflugzeuglandung in einem Skigebiet war in gewisser Weise komisch, mein Bedarf daran jedoch mehr als gedeckt. Ich beschloß, Skigebiete zukünftig zu meiden...

Am 15.06. kündigte sich der nächste Hammertag an. An die F-Schlepps hatte ich mich mittlerweile gewöhnt. Die Stimmung war gut. Schnell waren mit der LS4 die ersten 1.000 Höhenmeter gewonnen.

Nun gab es kein Halten mehr – über jedem Grat standen wunderbare Quellungen und irgendwie ging es nur noch aufwärts – mit bis zu 4 m/s.

Das Panorama des Dachstein (im Bild ganz hinten) lockte und an der schroffen Felswand unterstützten mehrere Thermikdüsen den rasanten Aufstieg zum Gipfel.

Am Gipfel des Dachstein begegnete mir ein thermikkreisender Paraglider und – kaum zu glauben aber wahr: eine Snowboardergruppe, die an zwei offenen Abfahrten im Skigebiet unterwegs war! Gleiten über die Schneefelder, am Steilhang hinab und anschließend am Hang wieder hinauf – ein Supergefühl.

Mit ausreichend Sicherheit erkundete ich dann auch die Hohen Tauern - ohne Probleme. 3.000m ... 3.500m ... usw. ...ich erreichte – kurzfristig - meine größte Höhe überhaupt.

Einen kurzen Augenblick dachte ich an einen Flug zum Großglockner. "Auf dem Teppich bleiben...", sagte ich mir, "...eine Außenlandung im Hochgebirge reicht!".

Also über St. Johann wieder zum Dachstein, nochmal Thermik getankt, und dann zurück zum Platz (übrigens direkt neben dem Grimming – das ist der Berg rechts hinten auf der Panoramakarte). Der Blick zur Uhr verriet, daß erst drei Stunden Flugzeit vorüber waren und so beschloß ich einen kleinen Schlenker über den Westausläufer des Dachstein, den Gosaukamm.

Ich erreichte den Kamm in etwa 2.400m. Nachdem ich an der Sonnenseite des Kamms trotz eines großen Cumulanten keinerlei Thermik finden konnte bedurfte es bei –2,5m/s nur noch 5 Vollkreise und etwa 3-5 min, um mich plötzlich auf 1.500m wiederzufinden – in der Falle !

Die umgebenden Bergrücken ca. 200m unter mir und nicht wirklich landbares Terrain. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet – es war doch ein Hammertag!?.

Nach weiteren Kreisen fand ich glücklicherweise ein landbares Feld - und eine letzte Fluchtmöglichkeit: ein schmales, schluchtartiges Tal in Richtung Mandling. Da ich jedoch nicht wußte, wie es dahinter werden würde, entschied ich mich im Zweifel für die sichere Außenlandung.

Nach einer letzten Viertelstunde Kampf in schwächstem Aufwind gab ich schließlich auf. Diesmal ging alles glatt und ich schwebte auf dem ca. 600m langen Feld lang aus. Das Feld war grandios und – da frisch gemäht und geharkt – um einiges ebener als der Flugplatz !

Nach kurzer Orientierung mithilfe des ansässigen Bauern und seiner beiden Jungs stellte sich heraus, daß ich in Filzmoos gelandet war – wiederum inmitten eines bekannten Skigebietes! Die Wiese befand sich direkt an der Talstation des Mooslehen Liftes am gleichnamigen Gasthof, den die folgende Postkarte zeigt.

Im Mooslehenhof konnte ich telefonieren und den beiden Buben des Hauses anschließend das Flugzeug erklären. Die Großmutter schien uninteressiert, aber durchaus erfahren im Umgang mit Segelfliegern: "... des hammer hier scho öfter g´habt, gell..."

Mir schwante, daß die Rückholaktion mit Hänger durch das Hochgebirge länger dauern würde und beschloß mich ein wenig umzusehen. Der Ort war schnell zu Fuß erreicht, doch leider war Sonntag und außerdem Sommer...

An der Ortstankstelle deckte ich mit Eis, Bier und Lesbarem ein und wartete auf Klaus. Leider war es noch früh am Tag und so vergingen über 5 Stunden bis Klaus, mein Rückholer, selbst gelandet, informiert und mit Hänger am Mooslehenlift in Filzmoos angekommen war.

Das Abrüsten bei einbrechender Dunkelheit verlief zügig und glücklicherweise fanden wir um 22.00 Uhr in Filzmoos noch ein Restaurant mit offener Küche.

So kam ich zu meiner zweiten Außenlandung im Skigebiet und Klaus zu seinem zweiten kostenlosen Abendessen.