Mann ist das steil.

oder:

Aussenlanden in der Eiffel


Ich denke mal, daß der Flug, der dieser Aussenlandung am 14.08.2001 voranging nicht so wichtig ist, daß ich ihn nicht nur kurz umreißen könnte. Es war auf der LM 2001 in Aachen, als am 5.Wertungstag durch den Lautsprecher die magischen Worte "Briefing ist auf 11:30 verschoben, Startbereitschaft 11:45" schallten. Als ich in den Himmel sah, sah ich nichts. Nur das von Rheinhard Mey beschriebene "endlos tiefe Blau über mir". Auch Bernd der Meteorologe hatte nicht gelogen, als er beim Briefing Blauthermik auf 1700 Meter voraussagte. "Klasse" fand' ich, denn 1700 Meter sind ja auch ne Menge. Nur hat Bernd die Angewohnheit, 'Konvektionshoehen in Metern MSL anzugeben. Leider wurde mir dieses - wenn auch vor dem Abflug - erst nach dem ich in der Luft war klar.
Blauthermik auf Wettbewerben heisst immerPulkfliegerei. Zuerst weren wir - eine LS1f "RY", ein Cirrus "U2" und ich mit der Hornet "L2" unser eigener Pulk. Von den Flugleistungen passten wir auch ungefähr zueinander, wobei die Fliegerische Fertigkeit von "U2" eigendlich doch die feinere von uns dreien war. Wie dem auch sei flogen wir gemeinsam ab und es dauerte keine drei Minuten bis der schnelle Pulk mit Piloten wie Benno Beesten, Helge Liebertz, Mosi, Ente und Manni Gersmeier zu uns aufgeschlossen hatten. Das naheliegendste war nun, daß wir uns an die Experten hinten dranhingen und und einfach mitziehen lassen. Soweit auf jeden Fall der Plan. Bis zur ersten Wende - oder beser gesagt zum ersten Sektor der AAT Moenchsheide (30km) - Trier (40km) konnte ich auch noch gut mithalten, obwohl ich zusehends an Höhe dem Pulk gegenüber verlohr. die RY war schon etwas weiter hinten und für mich damit zu diesem Zeitpunkt uninteressannt.Da ich nun einen schnellen - um nicht zu sagen einen sehn schnellen - Pulk vor mir hatte war es auch nicht weiter verwunderlich, daß mich die Experten in null komma nix abgehängt hatten. Ich beschloß also kurz hinter der ersten Wende auf RY zu warten. Als er allerdings auch nach dem dritten Ruf nicht antwortete, flog ich weiter. Vieleicht würde ich ja noch einige andere treffen.
Ich traf auch noch jemanden, allerdings aus der Doppelzitzerklasse. Als ich mich nun mit dem Twin zusammen hochgemacht hatte, wollte ich eigendlich nur noch den zweiten Sektor anreißen und dann nach Hause fliegen. Also flog ich schnurstracks auf den Nierburgring zu, der zufälligerweise genau auf meinem Weg lag. Als ich da dann in 100 Metern GND ankam, wusste ich schon daß ich auf der Start-Zielgeraden landen würde. Als es mir aber im Gegenanflug auf den Ring die linke Fläche nach oben schlug und sich schlagartig 1,2 Meter steigen entwickelten, kurvte ich ein. Eine Fluchtmöglichkeit blieb mir ja noch.
Als ich den Bart verlies, der mich mit 1,8 m/s nach oben katapultierte, sah ich einige schwarze Gruben. Da es ein Wochentag war und ich dort einen Auslöser vermutete, flog ich eine der Gruben an. Dummerweise die, in der gerade kein Bagger schaufelte, es also auch keinen Auslöser gab. Nach weiteren verzweifelt "verschenkten" 100 Höhenmetern sah' ich doch den Boden ganz schön dicht unter mir. Also auf ins Tal, denn da hatte ich eine schöne landbare Wiese gesehen.Als ich die Wiese anflog war cu mit 150 km/h im Endanflug - was will mann machen, wenn man auf einem Vilkan mit 30° Hangaufwärts landet?!?
Kaum gelandet, kam auch schon einer der Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr an. Er hatte mich vor seimem Küchenfenster - sprich 10 Meter übern Kirchturm - anfliegen sehen. "Weit kann er nicht kommen" hatte er sich gedacht und war zum Vulkan gefahren um nachzusehen, ob was passiert sei. Die Landung lief glatt und als ich ihm ein wenig über den Flug und die Segelfliegerei erzählte, kreiste die IDA direkt über dem Vulkan und war dann verschwunden. Mein "Ackergast" war nun auf und wollte noch was holen.
Nun kam der Freiwillige Feuerwehrmann mit seinem Sohn, drei kalten Bieren, einer Flasche Wasser und etwas zu Essen wieder. Bis mein Rückholer kam, kommte ich mich noch gut mit Wolfgang - so hieß er glaub' ich - unterhalten. So weiß ich jetzt, daß der Ort Rockeskyll heißt, daß sein Sohn vor zwei Jahren in ein Wespennest gefallen war und seit dem Alergiker ist, daß der Sohn des Bürgermeisters sich letzten Samstag so abgeschossen hat, daß er mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus liegt und noch vieles mehr.
Als dann mein Rückholer kam hatte Wolfgang mir noch was mitgegeben: fünf Flaschen Kurzen für die Freunde daheim und ein Holzschild , wo der Name des Ortes eingebrannt war: Rockeskyll.