Ein schöner Nachmittag auf dem Acker...

Eigentlich wollte ich an diesem 9. Juni endlich mal ein Strecke zum "geniessen" fliegen, nicht mit 900m Basishöhe wie beim letzten Mal (da bin ich aber wenigstens noch nach 140km noch zum Platz zurück gekommen). Der Wetterbericht sah ganz gut aus und schien ausnahmsweise auch für die Altmark zu stimmen. Geplant hatte ich ein 213km FAI - Dreieck, von Stendal über Magdeburg nach Lüsse und wieder zurück, in der vereinseigenen Club Libelle (D-2471). Es gab nur das Problem, rechtzeitig vom Platz wegzukommen. Die Stendaler UL-Flugschule wollte schließlich ihr zehnjähriges Jubiläum mit einem UL-Massenstart und anschließendem Zielrück-Flug nach Stölln-Rhinow zu Lilenthals berühmten Hügel feiern. Losgehen sollte der Spass gegen 13 Uhr. Die über 60 Teilnehmer begannen dann auch schon ab um neun am Platz einzutreffen, was den Flugleiter sicherlich gehörig ins Schwitzen brachte...

Also startete ich etwas früher als sonst (ein Rückholer ist doch auch da?...) und fand gleich aus der Winde in 600m Höhe den Hausbart, der heute aber nur einen knappen halben Meter Steigen brachte. Aber immerhin ging es bis auf 1100m, erst einmal. Besser als bei der letzten Strecke, und südlich vom Platz standen die Wolken auch recht gut. Dann konnte es ja los gehen. Südlich von Stendal erwischte ich den ersten wirklich brauchbaren Bart, 3m rund bis 1300m Höhe. Der Windversatz war aber doch stärker als ich gedacht hatte, weswegen ich schon recht weit in Richtung Elbe abgetrieben war. Über dem feuchten Gebiet hielt sich das Steigen auch sehr in Grenzen. Erst südlich von Tangermünde ging es wieder mit drei metern nach oben. Die Wolkenstrasse nach Magdeburg, die auch an diesem Tag wieder stand, befand sich aber doch ein ordentliches Stück westlich von mir. Da vor mir aber noch ein schöne Wolke stand, die ich mitnehmen wollte, flog ich noch ein Stück Richtung Süden. Das E-Vario gab aber nur ein unmotiviertes Brummen von sich. Irgendwo hier muss es doch hoch gehen? Auch der alte Armeeflugplatz in Mahlwinkel, mit seiner 2000m langen Betonpiste immer gut für schönes Steigen, brachte nichts als Saufen. In 300m gab ich es dann auf und flog meinen Acker an, direkt neben einer Strasse. Wegen des weichen Bodens des Maisfeldes stand ich bereits nach 30m. Glücklicherweise waren die Pflanzen erst knappe 30cm hoch, und die anvisierte Traktorenspur hatte ich auch recht gut getroffen. Also hieß es erst einmal dem Rückholer bescheid zu sagen. Dummerweise hatte der gerade Flugleiterhelferdienst ("ich rufe dich zurück"), und das andere Auto mit Anhängekupplung war noch auf dem Flugplatz in Gardelegen. Aber meine 3 Mars-Riegel würden mir das Warten schon versüssen..

Knapp eine halbe Stunde später erhielt ich dann Besuch von einem anderen Segler, der recht tief meinen Acker anflog. Fieserweise klappte er im Gegenanflug aber seinen Hilfsmotor aus und flog wieder in Richtung Stendal davon. Das war aber nicht der einzige fliegende Besuch an diesem Nachmittag. Die geackerte Libelle wurde zunächst von einer C-42 angeflogen, aus der sich der Ausbildungsleiter des Magdeburger Vereins meldete ("Dein Rückholer hat noch zu tun"), später kam noch ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes hinzu, die gerade die nahegelegen Bahnstrecke abflog und auf dem benachbarten Feld landete. Die Herren in Grün ließen sich jedoch davon überzeugen, dass die Libelle in Ordnung war und die Rückholer unterwegs waren. Diverse Gespräche mit Fahrradfahrern und anhaltenden Autofahrern später (so gegen um fünf) kam endlich der ersehnte Anruf - "bin noch in Gardelegen, fahre in ca. zwei Stunden los". Also würde ich so gegen um 8 wieder auf dem Platz sein...


der BGS- Hubschrauber

Gegen halb neun schliesslich traf der Bus mit dem Anhänger am Acker ein. Nachdem wir vergeblich versucht hatten, das Flugzeug über das Feld zur Strasse zu ziehen (der Boden war wirklich ziemlich weich) musste der Bus doch über den Acker fahren. Also hieß es schnellstmöglich abzurüsten, bevor der Bauer wieder kommt. Der konnte sich schon am Nachmittag nicht recht mit dem weissen Flugzeug auf seinem Feld anfreunden, noch weniger mit den umgeknickten Pflanzen, welche die Tragflächen beim Ausrollen hinterlassen hatten.

Eine halbe Stunde, etliche Wutanfälle (die größte Strafe beim Aussenlanden mit der Libelle ist das Abrüsten, bei dem Anhänger...) und nach mehrmaligen Freibuddeln des Busses hatten wir es schliesslich geschafft, so dass wir halb zehn wieder am Platz waren und noch etwas von der Geburtstagsfeier der Flugschule hatten.




War schon ein schöner Tag, die sieben Stunden auf dem Acker...





André, der Rückholer (links)



von Christoph Barniske, AeroClub Stendal