Grüne Wiese Oldie: Meine Aussenlandung in Nivelet-Leglise

 

 

Insgesamt meine dritte Aussenlandung. Es war relativ viel Wind am diesem Tag, so dass ich mich entschied ein 100er Zielrück in den Wind zu legen. Ein Kollege, John, nahm die Ls4 und schrieb die gleiche Strecke aus.

 

Also an die Startvorbereitungen: Camelbak und Logger rein, Ersatzfunk und das Handy in die "Alpha Golf", unsere Club ASW 19, die ich ausschliesslich letztes Jahr flog und noch im Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, in Fayence fliege. John war als erster gestartet, er war bereits in einer Thermik, und wurde natuerlich vom Wind versetzt. Ich hänge mich an das Seil und los gehts, finde auch gleich einen 2m Bart und es sieht gut aus. Habe bereits die Wolkenstrasse im Auge die genau in Kursrichtung steht. Basis war ordentlich, wenn auch nichts zuviel mit 1500 über Start aber ich sagte mir das wird ne Gaudi beim Rückflug, mit 30 km Rückenwind!!

 

Abflug über Useldingen und weiter gehts, die Strasse zieht auch ein bischen, mache wenig weiter nochmal voll, siehe John der bereits weiter ist aber einen anderen Umweg fliegt. Ich denke Hm, diese grossen Wälder ist nicht unbedingt das gelbe vom Ei, aber es geht unter der Wolkenstrasse, glaubte ich zumindest mal noch!

 

Auf einmal aber nichts mehr los, ich fliege weiter, es muss gehen, die Wolken sehen gut aus! Aber ein Anschiss nach dem andern. Und so sinke ich weiter, und dies über relativ viel Waldgebieten. Bin nicht mehr hoch, so 800 m, es muss nun was kommen! Halte Ausschau nach einem Feld, und werde mir meines Fehlers bewusst. Aufregung kommt in mir hoch, ich denke ich stürze ab!

Die Felder hängen alle irgendwie kreuz und quer, nichts gut landbares, und dann sehe ich DIE Wiese die muss es sein. Drehe nochmal Kreise weil ich positive Varioaussschläge habe, aber wieder nur Anschiss!

 

Ok, setze an zur Landung, Rad raus, Gegenanflug, drehe in den Queranflug rein, und dann der Endanflug: Telefonleitung, Maisfeld, Zaun, Wiese mit 7 Kühen, noch ein Zaun, 3 Kühe, und die 19 bringt mich sicher auf den Boden! Rolle aus, bremse, und atme mal gut auf....... 20 m vor mir liegt das andere Maisfeld und davor ein Zaun!!

 

Ueber mir kreist die DG 500 mit Carlo und Vic: "Hey AG wo bist du dran?" Ich antworte: "Sitze grad 15 km von Bertrix weg im Feld! Ach ja ich sehe sich, oh du Sau hast ja das ganze Feld verbraucht!"

Ach ja habe grad gesagt: 3 Kühe. Davon scheinen 2 sich nicht weiter aufzuregen dass nun grad ein UFO in ihrer guten Wiese gelandet ist, aber diese Blanc Bleu Belge! Beginnt die doch nicht nervös an zu tänzeln, zu schnauben und noch auf uns zu zukommen!

 

Denke an Reichmann: „Es ist wirklich kein Vergnügen, eine sabbernde und schnaufende Rinderherde in breiter Front langsam aber unaufhaltsam auf das eben gelandete Flugzeug zutrotten zu sehen; aber noch ist nichts verloren.......“

OK, sie wird sich schon beruhigen.. Tut sie auch, ich bleibe noch ein bischen beim Alpha Golf, versuche die Maschine ein bischen Richtung Tor zu ziehen.

 

Zeit den Club zu benachrichtigen: „Ja bin grad aussengelandet, vor Bertrix, werde euch wieder anrufen sobald ich genau weiss wie dieses Kaff heisst, und wie man herkommt.“ Aber erst mal gebe ich die GPS Koordinaten durch, und los geht die Suchaktion mit der Dimona!

Auf gehts Richtung Bauernhof, durch die Wiese zum Stall, Ach Gott, alles voller Schlamm, fast kein Durchkommen, irgendwie balancier ich mich weiter, und erreiche die Vorderseite des Hofs, über den Hühnerhof. Was sehe ich: Die Tür geht zu, ein Auto fährt weg und es ist keiner mehr da, als ich an der Tür klingele. Wandere zur Hinterseite, und da höre ich einen mit der Trennscheibe arbeiten.

 

"Wo bin ich hier? -"Sie sind in Nivelet Leglise, nicht weit von der Autobahn wech." Der Typ erklärt mir den Weg den ich anschliessend weitergebe ueber das Handy an die Rueckholder. Eigentlich waren keine genau vorgesehen, hatte nur vague morgens gefragt und manche sagten sie kommen mich schon holen. Aber die Dimona ist in der Luft, um auszukundschaften wie man hinkommt. Und siehe da sie hat mich auch bald gefunden.

 

Eigentlich sollten wir alle grillen an dem Abend und so entschliesst man sich mich mal sitzen zu lassen, und mich später zu holen, und dies wird mir dann auch mehr oder weniger schonend beigebracht. Also wandere ich mal wieder zurück zum Flieger, die Kühe liegen ruhig da, die Blanc Bleu Belge weidet. Immer ein Auge auf die Blanc Bleu Belge!! Ach das wird noch lustig werden, bis die fertig sind mit Grillen!!

Als ich wieder mal vom Flieger zurückwandere wieder zum Hof sehe ich die Dame des Hauses wie sie sich müht einen Sonnenschirm zu montieren, und ich helfe ihr dabei, und es fällt das magische Wort:"Wenn die ihn nicht gleich holen kommen, kann der Herr mit uns essen".

 

Essen, essen,essen..... Musik in meinen Ohren, das war ein Wort! Ich erhalte gleich ein Bier, und diskutiere mit den Leuten, die beiden Söhne treffen nun auch ein, sowie der Vater, und noch ne Freundin des älteren der Brüder. Der jüngere Bruder kommt wutentbrannt mit einem Brett voller platter Nägel und sagt: „Mist ich hätte gleich zwei Bretter nehmen sollen und dickere Nägel. Dieser scheiss Jeep, der hat sicher keinen Platten bekommen. Und er ist wieder ueber unsere Wiese gerannt.“

 

Ich fragte was das ganze soll, und er erklärt mir dass sie dem Nachbar eins auswischen wollten weil er immer ein Stück über ihre Wiese fährt anstatt den Feldweg zu benutzen. Er ist wirklich wütend und wir versuchen alle ihn zu beruhigen. Als er duschen geht meine ich, naja der ist ein bischen gereizt, und der Vater sagt mir er wäre ein bischen nervös!

 

Naja Bauernkrieg eben, und ich lasse mir die Sangria, die ich als Aperitif kriege, gut munden. Dann kommt der Rotwein und mit ihm das Essen: 5 Sorten Fleisch vom Grill, dazu Nudeln, Reis, Kartoffeln und Salat, sowie Gemüse! Vorher war ich noch mit einem der Söhne die Kühe in eine andere Wiese treiben, so dass ich ganz unbesorgt an der Tafel dinieren kann, und endlich die Blanc Blau Belge vergessen!!

 

Um 22h10 erreicht mich die Rückholmannschaft, und wir packen die 19 im Halbdunkel ein, mit Hilfe der Beleuchtung des Jeeps, aber nicht der des Nachbarn! Um 23h00 trinke ich noch ein letztes Bier wieder zuhaus im Club und so geht dieser Tag zu Ende.

 

John hat die Tagesaufgabe geschafft, in dreieinhalb Stunden, das macht einen Durchschnitt von 23,16 km/h!! Carlo hat ihn mit der 500 aus der Patsche geholfen, und ich habe ihn den Tag über im Funk kämpfen hören! Er war nicht weit von der Aussenlandung weg, aber er war den besseren Weg geflogen, und hatte sicher mehr Felder zur Auswahl.

 

Ich werde nie mehr in diese Ecke fliegen, auch nicht wenn die besten Bärte locken (die vielleicht keine sind!). Die Landung selbst war saugut, der Abend auch, aber die Taktik da hin zu fliegen war mein grösster Fehler bis jetzt. Die Story war cool, weil ich Glück hatte und nichts passiert ist, aber stolz bin ich nicht, auch wenn ich es natürlich im nachhinein lustig finde.

 

Fazit:  1) Nie einer Wolkenstrasse über ungünstigem Gebiet folgen, und wenn sie noch so lockt, ausser die Höhe reicht vollkommen aus,was hier ja sicher nicht der Fall war! Ist ja auch einleuchtend, aber wenn man glaubt ne gewisse Erfahrung zu haben kann man auch Fehlentscheidungen treffen.

 

2) Bei Kühen die Nerven behalten, der Reichmann hat Recht! Aber Blanc Bleu Belge Kühe immer im Auge behalten!! (Weiss mit Blau, Fleischrasse)

 

3) Wenn ihr einem einen Platten in eurer Wiese mit Nägeln antun wollt und er hat nen Jeep: Nehmt dicke Bretter und starke Nägel!!!! Oder lasst es sein, iss eh idiotisch, gell!

 

Falls ihr euch anschauen wollt was ich da für nen Mist geflogen bin, schaut euch die IGC Datei an!

 

Die nächste Aussenlandung folgt sicher mal in diesem Jahr, oder...... Hoffentlich nicht:))) Wenns gut geht könnt ihr sie im OLC mitverfolgen!

 

Mit besten Grüssen,

 

Arny aus Luxemburg