Geschichten über Flughäfen, Fluggesellschaften, Luft, Land und Leute aus Südschwarzwald und Schweiz


Es war im vorletzten Jahre des vergangenen Jahrhunderts, 1999, als der schweizerisch-französische Provinzflughafen Basel beschloss, sein weiteres vermeintlich unendliches Wachstum im Luftverkehr über das schöne Markgräflerland und den angrenzenden Teil des Südschwarzwalds auszuweiten. Die Reklamationen über den Fluglärm aus dem schönen Elsass waren wohl doch etwas zu lästig geworden. Auch fühlte sich das französische Militär (Force de Frappe) zunehmend in seinem Verteidingungsauftrag in Friedenszeiten belästig, geht ja der nördliche ILS Anflug auf Basel unmittelbar am Rand eines Kampfjetflughafen entlang.

Das Wachstum kam hauptsächlich von der schweizer Provinzfluggesellschaft Crossair, die von der sagenhaften Swissair übernommen worden war - sonst wäre sie wohl schlicht Pleite gegangen, da sie sich im Wachstumsrausch überfressen hatte - man kennts ja aus der Wirtschaftsgeschichte. Von den betroffenen deutschen Gemeinden, Landkreisen und Regierungspräsidenten kam fast kein Widerspruch, hatte doch der Flughafen geschickt die wichtigen Personen in seine Aura sprich Gremien, Kommissionen usw. einbezogen. Allein die trinationale Namenswahl "EuroAirport Basel, Mulhouse, Freiburg" erfüllte wohl auch die deutschen Politiker und ihre Exekutive in der Provinz mit Stolz. Das kleine Freiburg hat einen Flughafen!

Intermezzo:


Etwa zur gleichen Zeit begab es sich, dass der rein schweizer Flughafen Zürich seine Lufträume weiter nach Norden über den schönen Südschwarzwald ausdehnen wollte, um sein unendliches Wachstum im Luftverkehr nach Zürich besser zu bewältigen.

Eine Ausdehnung über der schönen Schweiz war nicht möglich, da sie ja noch viel schöner ist als der Südschwarzwald und besonders die südlich des Flughafens gelegen Goldküste am schönen Zürichsee zu den schönsten Gebieten Europas überhaupt gehört - da wohnen doch die besten Steuerzahler der Schweiz in ihren Schlössern - das geht doch nicht, dass die mit Fluglärm belästigt werden und ihre Schlösser an Wert verlieren, sie wegziehen oder gar durch den starken Wertverlust der Schlösser am Ende verarmen. Das wollte man ihnen nicht zumuten - oder hatte man Angst vor deren politischen Einfluss oder wohnen gar die massgeblichen Personen für Luftraumfragen an der Goldküste? Ausserdem liegt da noch ein traditionsreicher Kampfjetflughafen (F18!) der schweizer Luftwaffe im Weg, den die schweizer Luftwaffe zur Erfüllung ihres Auftrags zur Landesverteidigung in Friedenszeiten (die Schweiz ist von der EG eingekesselt) unbedingt benötige.

Davon bekamen einige deutsche und schweizer Segelflieger Wind. Sie sind bereits stark in ihrer Bewegungsfreiheit durch die gesperrte Lufträume für die Flughäfen Zürich und Basel eingeschränkt - noch mehr Beschränkungen und sie sollten besser auswandern. Fairerweise sollten sie durch die schweizer Flugsicherung und den Flughafen informiert werden. Das hatte ihr deutscher Verband, der BWLV, eingefädelt - sogar der Präsident des Verbands erschien auf dieser sagenhaften Veranstaltung in der südbadischen Provinz. Allein es kam wie es kommen musste - zu tumultartigen Szenen und das war peinlich für den Präsident und seine Exekutive, was wiederum die Segelflieger nicht verstehen wollten. Sie gingen in die deutsche Politik und die Politiker hörten ihnen zu, weil sich die Segelflieger ebenfalls - zum Missfallen der Verbandspräsidenten - für Umweltschutz und gegen den überbordenden Fluglärm durch die Verkehrsluftfahrt einsetzten.

Der Flughafen Zürich hatte es glücklicherweise über Jahrzehnte versäumt, sich in der deutschen Politik eine Lobby heranzuziehen. Auch gaben er sich in seinem Stolz einen neuen vielsagenden Namen "UNIQUE", er wollte bald eine Aktiengesellschaft werden und am noch andauernden Aktienrausch teilhaben - wäre nicht der Name "Flughafen Zürich-Waldshut" geschickter gewesen? Und daher drang das aufrührerische Geschrei des gemeinen Fussvolks aus den eher "unbedeutenden Weilern" um Hohentengen überdeutlich ja sogar bis ins entfernte Berlin vor. Diese Einwohnerschaft hatten jahrzehntelang den zunehmenden Luftverkehr ertragen müssen; führten doch die ILS-Anflüge nach Zürich direkt über ihre Köpfe. Eine Verwaltungsvereinbahrung aus 1984 zwischen ihnen und dem Flughafen wurde nicht eingehalten, dass gab sogar der stolze Flughafen Zürich zu. Ausserdem war die alte schwarz eingefärbte deutsche Regierung mit den schwarzen Kassen in der besagten schönsten Gegend Europas über eben diese Kassen gestürzt.

So kam endlich Druck in die laufenden Staatsvertragsverhandlungen und die deutsche Seite forderte zum ersten Mal überhaupt ein Mitspracherecht für den anfliegenden Verkehr nach Zürch ein. Sie setzte im Staatsvertrag eine vermeintlich kleine Beschränkung für den Flughafen durch.

Allerdings gab es von Zürich her keine Verbesserung aber auch keine weiteren Einschränkungen für die Segelflieger - aber können sie sich schon im Erfolg sonnen? Mitnichten, denn die schweizer Luftfahrt und die kantonale Regierung von Zürich, die mit der schweizer Luftfahrt eng verbunden ist, will sich nicht damit abfinden und vor "ausländischen" deutschen und europäischen Gerichten prozessieren.

Weiter mit Basel:


Die zuständige französische Flugsicherung beanspruchte auch den Luftraum und wollte sicherheitshalber (mit Sicherheit wird in der Luftfahrt immer argumentiert) im ganzen westlichen Südschwarzwald in grosszügiger französischer Manier - man kennt das ja aus den französichen Luftfahrtkarten - einen die Segelflieger aussperrenden Luftraum errichten. Allein dazu benötigt es ebenfalls einen Staatsvertrag und dessen Verhandlung zogen sich hin, wenn auch im Dunkeln, denn man hört darüber fast nichts, man ist ja schliesslich hier nun innerhalb der EG und unter sich, unter Freunden und kann das gemeine Fussvolk aussen vor lassen.

Im Sommer 2002 waren die Verhandlungen dann soweit gediehen, dass der Luftraum definiert war, wesentlich kleiner als ursprünglich von französischer Seite gefordert - das glaubt man wohl. Fairerweise informierte die DFS mit Schreiben vom 17.7.2002 die Luftfahrtverbände u.a. auch den BWLV. Der BWLV infomierte nunmehr streng den Dienstweg einhaltend den Präsidialrat (was ist denn dass für einer?) des Bezirks, in dem betroffene Segelflugplätze liegen, mit Schreiben vom 18.8.2002. Man wollte ein ähnliches Desaster durch die "Rebellen vom Südschwarzwald" wie auf der besagten Veranstaltung wegen Luftraumerweiterungen für Zürich seitens des BWLV Präsidiums verhindern. Das ist gelungen doch zu welchem Preis?

Die IG Luftraum Südschwarzwald-Nordostschweiz wurde nicht informiert. Zu dieser Zeit war Bundestagswahlkampf und auf politischer Schiene standen die Zeichen niemals besser, diese Luftraummassnahme zu verhindern oder mindestens für den Segelflug noch mehr herauszuholen.

Ein Rückfrage bei massgeblichen Personen aus einigen betroffenen Vereinen (Müllheim, Hotzenwald) ergab, dass der Herr Präsidialrat nicht besonders aktiv geworden ist.

Die südschwarzwälder Segelflieger konnten dann alles im Oktober aus ihrer Verbandszeitung - Adler genannt - erfahren. Angeblich war alles bestens gelaufen und nur ein kleines Stück Luftraum, eben ein Salamischeibchen abgeschnitten - alles rechtens nach Kriterienkatalog, der von DFS und DAEC AUL erarbeitet worden war, in gegenseitigem Einvernehmen.

Die Luftraumuntergrenzen D im Raum Blauen und südlich davon liegen bei 5500ft, obwohl gemäss "minimun radar vectoring altitude"-Karte Basel dort eine Mindesthöhe von 7000ft vorgegeben wird. Als Zuckerstückchen wird den Segelfliegern eine Luftraumverbesserung für den Durchflug vom Hotzenwald in den Jura zugesagt - alles unverbindlich, ohne Termine und wie soll das denn aussehen, wenn demnächst (2003/2004) am Flughafen Basel ein ILS von Süden, vom Jura her eingerichtet wird. Dann fällt auch dort die Klappe zu.

Epilog:


Seit 1999 ist viel passiert in der schweizer Luftfahrt: Die Swissair ist nicht mehr, da sie sich im Wachstumsrausch überfressen hatte - man kennts ja aus der Wirtschaftsgeschichte. Die Nachfolgefluggesellschaft SWISS wurde mit 1000MSFr Steuergelder aus der Taufe gehoben. Nach einem Jahr Betrieb fliegt sie täglich immer noch 2MSFr Miese in Ihre Kasse - wie lange geht das noch gut, fragt sich der gemeine Beobachter und dem schweizer Steuerzahler schwant bereits wieder Böses.

Der Flughafen Zürich ist an die Börse gegangen und sein Aktienwert ist heute noch weniger als 50% vom Ausgabewert - wirklich unique. Die Verkehrszahlen am Flughafen Zürich sind heute etwa auf dem Niveau von 1999 - keine Spur von unermesslichem Wachstum. Ein neues Dock Midfield mit riesigen Abfertigungshallen wurde am Flughafen Zürich errichtet; dessen Inbetriebnahme wird immer weiter in die Zukunft verschoben.

Die Protagonisten der Verkehrsluftfahrt müssen weiter von unermesslichem Wachstum träumen, denn die Banken, bei denen sie unermessliche Kredite zu dessen Finanzierung aufgenommen haben, sitzen ihnen im Nacken.

Und die Segelflieger - sie dürfen davon träumen, Teile vom Dock-Midfield einzuheimsen, wenn es denn auf Druck der Banken abgerissen werden muss, um daraus sagenhafte Segelflughallen auf ihren umliegenden Segelflugplätzen quasi als Trophäe zu errichten. Sie hoffen, dass sie demnächst schon mal massnehmen dürfen, wenn das Dock-Midfield der Oeffentlichkeit vorgestellt wird.

Was könnte man mit den schönen fahrbaren Flugsteigen auf einem Segelflugplatz anstellen?

Appell:


Leute passt bloss auf, lasst Euch nicht einlullen von stolzen Präsidenten, Präsidialräten und sonstigen betitelten Typen. Für jeden Kubikmeter Luftraum, den wir verlieren, sollte mindestens an anderer Stelle Erleichterungen geschaffen werden und Luftraum freigemacht werden - nicht als vages Versprechen sondern ganz konkret.

Leute hütet euch vor den drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen!


Zurück zu www.segelflug.de


Diese Seite wurde erstellt von Ewald Bombelka am 1.1.2003;

E-Mail an den Autor